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Zwischen Schutz und Effizienz – Das Raumklima im Museum

Museen stehen zunehmend vor der Frage, wie sich der langfristige Schutz von Kulturgut mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie vereinbaren lässt.

Lange galten enge, technisch stabilisierte Klimawerte als Voraussetzung für den Objektschutz. Neuere konservatorische Erkenntnisse zeigen jedoch, dass dieser Ansatz nicht immer notwendig und nicht immer sinnvoll ist.

Der Klimakorridor beschreibt ein erweitertes Raumklimakonzept, das statt fixer Zielwerte einen sicheren Bereich für Temperatur und Luftfeuchtigkeit definiert. Innerhalb dieses Rahmens sind langsame, saisonale Veränderungen zulässig. Entscheidend ist nicht die exakte Zahl, sondern die Stabilität über die Zeit und die Vermeidung abrupter Schwankungen.

Grundlage dieses Ansatzes ist das Materialverhalten von Sammlungsobjekten. Materialien wie Holz, Papier, Leder oder Textilien reagieren empfindlich auf schnelle Klimawechsel, können sich jedoch an langsame Veränderungen gut anpassen. Ein ruhiger Klimaverlauf reduziert innere Spannungen und hilft, Schäden wie Risse, Verformungen oder Ablösungen zu vermeiden.

Gleichzeitig führt der Klimakorridor zu einem ruhigeren Betrieb der Gebäudetechnik. Weniger häufiges Nachregeln bedeutet geringeren Energieverbrauch und weniger technische Eingriffe – ein Vorteil für Objekte, Gebäude und Ressourcen. Der Klimakorridor ist kein starres Regelwerk, sondern ein fachliches Arbeitsinstrument. Seine Anwendung erfordert kontinuierliche Beobachtung, Datenauswertung und objektspezifische Entscheidungen. Er zeigt, dass Nachhaltigkeit und Kulturgutschutz kein Widerspruch sind, sondern sich durch ein besseres Verständnis von Material, Klima und Zeit sinnvoll verbinden lassen.

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Stabile Klimabedingungen sind eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erhalt.
Saisonale, gleitende Schwankungen sind unbedenklich und energetisch sinnvoll

Vom Zielwert zum zulässigen Bereich Traditionell basierte das Raumklima in Museen auf festgelegten Sollwerten für Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Diese orientierten sich an den Anforderungen der unterschiedlichen Objektmaterialien und wurden mithilfe technischer Anlagen möglichst konstant gehalten. 

Mit dem Klimakorridor wird dieser enge Rahmen nun weiter gefasst: Saisonale Schwankungen sind innerhalb kontrollierter Toleranzbereiche erlaubt, und der natürliche Verlauf des Aussenklimas wird berücksichtigt. Entscheidend ist dabei nicht das Einhalten eines exakten Wertes, sondern die Vermeidung schneller oder unvorhersehbarer Veränderungen des Raumklimas, denn für viele Materialien ist ein stabiler Verlauf schonender als ein dauerhaft gleichbleibender Messwert. Das schweizerische Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates ICOM publizierte im Dezember 2024 Empfehlungen für die Überwachung des Raumklimas in Museen, darin heisst es:

Weniger Technik, mehr Systemruhe

Ein weiterer Aspekt des neuen Klimakonzepts betrifft den Betrieb der technischen Anlagen. Enge Klimavorgaben erfordern häufige Regelungsvorgänge. Um Abweichungen von den Sollwerten auszugleichen, wechseln Heiz-, Kühl-, Be- und Entfeuchtungsvorgänge oft in rascher Folge. Diese Eingriffe verursachen nicht nur einen hohen Energieverbrauch, sondern können auch zu starken, schnellen Schwankungen des Raumklimas führen.

Die Anwendung des Klimakorridors reduziert die Notwendigkeit solcher Korrekturen, da der Toleranzbereich vergrössert wird. Aus konservatorischer Sicht bedeutet dies für die Objekte eine geringere Belastung, aus betrieblicher Sicht eine Einsparung von Energie.

Ein flexibler Ansatz statt fester Regeln

Der Klimakorridor ist keine starre Vorgabe, sondern ein Arbeitsinstrument. Verschiedene Räume reagieren unterschiedlich auf äussere Einflüsse, und Objekte haben vielschichtige Bedürfnisse.

Das neue Klimakonzept erfordert daher Aufmerksamkeit, Fachwissen und eine regelmässige Datenauswertung. Dieser flexible Ansatz ermöglicht es, situationsbezogen zu handeln und fundierte Entscheidungen zu treffen, wodurch zugleich das Vertrauen in einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sammlung und den Ressourcen des Museums gestärkt wird.

Ausblick

Mit der Einführung des Klimakorridors hat das HMB einen wichtigen Schritt in Richtung eines zeitgemässen Klimakonzepts gemacht. Der Ansatz zeigt, dass konservatorische Sorgfalt und nachhaltiger Betrieb kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend ist dabei ein differenziertes Verständnis von Materialverhalten, Technik und langfristiger Stabilität. Der Klimakorridor bietet hierzu einen belastbaren Rahmen: fachlich begründet, praktisch erprobt und offen für Weiterentwicklung.

5. February 2026
Maja Zane, Conservator-Restorer Preventive Conservation

Maja Zane ist Konservatorin-Restauratorin am HMB.

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