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Zwischen Schutz und Effizienz – Das Raumklima im Museum

Das HMB geht neue Wege im Umgang mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Statt auf fest definierte Zielwerte setzt es auf den sogenannten Klimakorridor, der die Richtwerte des Raumklimas weniger eng definiert. Im Folgenden betrachten wir die fachlichen Gründe für seine Einführung, seine praktische Umsetzung sowie die Auswirkungen auf Objektschutz und Energieverbrauch.

Doppelte Herausforderung

Museen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen Sammlungen langfristig schützen und gleichzeitig ihren Energieverbrauch reduzieren. Über viele Jahre wurden diese beiden Ziele als schwer vereinbar angesehen. Die konservatorischen Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchtigkeit waren eng definiert und technisch aufwendig umzusetzen. Vor diesem Hintergrund hat das Museum sein bisheriges Klimakonzept überprüft und weiterentwickelt.

Vom Zielwert zum zulässigen Bereich Traditionell basierte das Raumklima in Museen auf festgelegten Sollwerten für Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Diese orientierten sich an den Anforderungen der unterschiedlichen Objektmaterialien und wurden mithilfe technischer Anlagen möglichst konstant gehalten. 

Mit dem Klimakorridor wird dieser enge Rahmen nun weiter gefasst: Saisonale Schwankungen sind innerhalb kontrollierter Toleranzbereiche erlaubt, und der natürliche Verlauf des Aussenklimas wird berücksichtigt. Entscheidend ist dabei nicht das Einhalten eines exakten Wertes, sondern die Vermeidung schneller oder unvorhersehbarer Veränderungen des Raumklimas, denn für viele Materialien ist ein stabiler Verlauf schonender als ein dauerhaft gleichbleibender Messwert. Das schweizerische Nationalkomitee des Internationalen Museumsrates ICOM publizierte im Dezember 2024 Empfehlungen für die Überwachung des Raumklimas in Museen, darin heisst es:

ICOM,
Dezember 2024

Stabile Klimabedingungen sind eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erhalt. Saisonale, gleitende Schwankungen sind unbedenklich und energetisch sinnvoll

Beispielhafter Klimaverlauf im Wechsel der Jahreszeiten

Ein besseres Verständnis des Materialverhaltens Sammlungsobjekte bestehen aus Materialien wie Holz, Papier, Leder, Textilien, Metall, Kunststoffen oder Mischformen. Diese Materialien reagieren auf ihre Umgebungsbedingungen, insbesondere auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Dies kann zu Problemen führen, wenn sich das Raumklima schnell ändert. In solchen Fällen können Spannungen im Material auftreten, die zu Rissen, Verformungen, Ablösungen oder erhöhter Brüchigkeit führen. Das Konzept des Klimakorridors trägt diesem Verhalten Rechnung, indem langsame klimatische Anpassungsprozesse ermöglicht und abrupte Eingriffe in das Raumklima durch die Klimatechnik reduziert werden.

Weniger Technik, mehr Systemruhe

Ein weiterer Aspekt des neuen Klimakonzepts betrifft den Betrieb der technischen Anlagen. Enge Klimavorgaben erfordern häufige Regelungsvorgänge. Um Abweichungen von den Sollwerten auszugleichen, wechseln Heiz-, Kühl-, Be- und Entfeuchtungsvorgänge oft in rascher Folge. Diese Eingriffe verursachen nicht nur einen hohen Energieverbrauch, sondern können auch zu starken, schnellen Schwankungen des Raumklimas führen.

Die Anwendung des Klimakorridors reduziert die Notwendigkeit solcher Korrekturen, da der Toleranzbereich vergrössert wird. Aus konservatorischer Sicht bedeutet dies für die Objekte eine geringere Belastung, aus betrieblicher Sicht eine Einsparung von Energie.

Einführung und Ergebnisse aus der Praxis

Nach tiefgreifender Auseinandersetzung implementierte das HMB den Klimakorridor im Januar 2025. Erste Auswertungen zeigen nun ein klares Bild: Der Energieverbrauch für die Klimatisierung konnte messbar reduziert werden. Gleichzeitig verlaufen die Klimakurven ruhiger und gleichmässiger. 

Besonders wichtig ist hierbei die konservatorische Beobachtung und Betreuung: Die Objekte in der Sammlung des HMB zeigen keine neuen klimabedingten Schäden. Aus fachlicher Sicht bestätigt dies, dass mit der Fokussierung auf langsame Klimaveränderungen und Systemstabilität ein sinnvoller Weg eingeschlagen wurde. Die Entscheidung, ob der Klimakorridor zur Anwendung kommt oder nicht, ist jedoch vom jeweiligen Objekt abhängig und muss bei jedem Sammlungsstück durch die Konservator:innen und Restaurator:innen neu getroffen werden. Besonders empfindliche Objekte benötigen einen zusätzlichen Schutz und stellen spezifische Anforderungen an das Raumklima sowie die Ausstellungssituation.

Ein flexibler Ansatz statt fester Regeln

Der Klimakorridor ist keine starre Vorgabe, sondern ein Arbeitsinstrument. Verschiedene Räume reagieren unterschiedlich auf äussere Einflüsse, und Objekte haben vielschichtige Bedürfnisse.

Das neue Klimakonzept erfordert daher Aufmerksamkeit, Fachwissen und eine regelmässige Datenauswertung. Dieser flexible Ansatz ermöglicht es, situationsbezogen zu handeln und fundierte Entscheidungen zu treffen, wodurch zugleich das Vertrauen in einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sammlung und den Ressourcen des Museums gestärkt wird.

Ausblick

Mit der Einführung des Klimakorridors hat das HMB einen wichtigen Schritt in Richtung eines zeitgemässen Klimakonzepts gemacht. Der Ansatz zeigt, dass konservatorische Sorgfalt und nachhaltiger Betrieb kein Widerspruch sein müssen. Entscheidend ist dabei ein differenziertes Verständnis von Materialverhalten, Technik und langfristiger Stabilität. Der Klimakorridor bietet hierzu einen belastbaren Rahmen: fachlich begründet, praktisch erprobt und offen für Weiterentwicklung.

5. Februar 2026
Maja Zane, Konservatorin-Restauratorin Präventive Konservierung (aktuell abwesend)

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