Objekt 3050
Der Basler Münsterschatz
Beschreibung
Die wechselvolle Geschichte des Schatzes beginnt mit der Weihe des Münsters am 11. Oktober 1019 durch Bischof Adalbero II. und mit den Schenkungen, die der deutsche Kaiser Heinrich II. (973–1024) tätigte.
Warum wurde das Basler Münster beschenkt?
Die Stadt Basel, die damals zum Königreich Hochburgund gehörte, war bereits dem deutschen Kaiser versprochen. Durch seine finanzielle Unterstützung des Münsterbaus und seine reichen Stiftungen demonstrierte Heinrich II. die Macht und den Glanz des deutschen Kaisertums sowie seinen Herrschaftsanspruch auf die Rheinstadt.
Wie hat sich der Münsterschatz vermehrt?
Wenige Jahre vor der Reformation zählte der Kirchenschatz über hundert Reliquiare, Kreuze und Monstranzen aus Silber und Gold, die zum Teil mit Email oder Edelsteinen verziert waren. Vor allem durch Stiftungen Privater und Geistlicher ist der Münsterschatz über fünf Jahrhunderte zu einem einzigartigen Ensemble romanischer und gotischer Goldschmiedekunst angewachsen. Hinter den Schenkungen stand die Absicht, dem eigenen Seelenheil zu dienen. Das Heiltum, der eigentliche Schatz der Bischofskirche, bestand aus Reliquien von rund hundert bekannten Heiligen.
Was passierte nach der Reformation?
Der Basler Münsterschatz blieb von den Zerstörungen des Bildersturms 1529 verschont, hatte jedoch in der nachreformatorischen Liturgie keine Funktion mehr. Er wurde in der Sakristei des Münsters für rund 300 Jahre eingeschlossen und von Zeit zu Zeit auf seine Vollständigkeit hin kontrolliert. Erst mit der Kantonstrennung Basels und der darauf folgenden Versteigerung im Jahr 1836 wurde das einzigartige Ensemble auseinandergerissen. Die Reliquien wurden zuvor entnommen und befinden sich seitdem im Kloster Mariastein (Kanton Solothurn).
Objektbeschreibung
Chronologie
- 1019
- Weihe des Basler Münsters: Kaiser Heinrich II. stiftet vermutlich die Goldene Altartafel, das Heinrichskreuz, Reliquien und andere Kostbarkeiten.
- 1146
- Heiligsprechung Heinrichs II.
- 1200
- Heiligsprechung Kunigundes.
- 1254
- Reliquien der hl. Ursula und der 11 000 Jungfrauen gelangen nach Basel.
- 1270
- Stiftung der Schädelreliquie des hl. Pantalus aus Köln.
- 1347
- Heinrich II. wird nach der Gottesmutter Maria zweiter Schutzpatron des Basler Münsters. Reliquien des hl. Kaiserpaares werden aus Bamberg erworben.
- 1356
- Das grosse Erdbeben zerstört Chor und Hochaltar. Der Schatz bleibt unversehrt.
- 1431
- Konzil von Basel (bis 1448)
- 1440
- Krönung des Gegenpapstes Felix V.
- 1477
- Ältestes überliefertes Inventar des Münsterschatzes.
- 1501
- Am Heinrichstag tritt Basel der Eidgenossenschaft bei.
- 1529
- Reformation: Zerstörung vieler Kirchenausstattungen im Bildersturm. Der Münsterschatz bleibt verschont. Das Domkapitel flieht nach Freiburg im Breisgau.
- 1585
- Regelung der Besitzverhältnisse im Badener Vertrag: Die Stadt muss den Bischof mit 200'000 Gulden für seine Rechtsansprüche entschädigen. Eine Abfindung des Domkapitels für den Münsterschatz scheitert am Widerstand des Kapitels.
- 1827
- Der Münsterschatz wird aus der Sakristei des Münsters ins Rathaus gebracht. Entnahme der Reliquien aus ihren Behältnissen.
- 1833
- Kantonstrennung und Aufteilung des Münsterschatzes.
- 1834
- Die Reliquien werden dem Kloster Mariastein (Kanton Solothurn) übertragen.
- 1836
- Der Kantons Basel-Landschaft versteigert seinen Schatzanteil in Liestal.
- 1849
- Der Schatzanteil des Kantons Basel-Stadt wird im neuen Museum an der Augustinergasse ausgestellt. Er gelangt 1882 in die Mittelalterliche Sammlung und 1894 in das Historische Museum Basel in der Barfüsserkirche.
- 1955
- Das Büstenreliquiar der hl. Ursula kehrt durch einen spektakulären Ankauf nach Basel zurück.