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Von Basel nach Baden nach Basel

2025 erwarb das HMB einen Prunkschrank der Zeit um 1700 mit spannender Provenienz- und Restaurierungsgeschichte. 

Zunächst gelangte das Möbel aus dem Besitz der Markgrafen von Baden-Durlach nach Lörrach, als deren Residenz in Basel aufgelöst wurde. 1856 schenkte die Stadt Lörrach anlässlich der Hochzeit des nunmehrigen Grossherzogs Friedrich von Baden mit Luise von Preussen den Schrank postwendend zurück an das Herrscherhaus.

Vorgängig erfolgte jedoch eine «Restaurierung» ganz im Stil des 19. Jahrhunderts: Blieb das Möbel aussen weitgehend in originalem Zustand, so wurden die Türen innen entsprechend dem äusseren Erscheinungsbild furniert und mit prachtvollen Bastionsfüllungen aus Nussbaum-Maserholz repräsentativ aufgewertet. Sie dokumentieren ein Restaurierungsverständnis des 19. Jahrhunderts, nach dem stilgerechte Aufwertungen nicht nur legitime, sondern durchaus erwünschte, die Vergangenheit verklärende «Verbesserungen» waren. Messingschilder auf den Füllungen tragen die Wappen des Hochzeitspaares und eine Schenkungsinschrift der «treugesinnten Bewohner» von Amtsbezirk und Stadt Lörrach. Stolz signierte der ausführende Handwerker Hermann Rupp seine Arbeit an mehreren Stellen im Möbelkorpus. 

Die weitere Reise führte das Möbel auf die Badischen Besitzungen auf der Mainau (Bodensee). 1995 entschloss sich das Haus Baden abermals zum Verkauf und der Schrank gelangte in Privatbesitz, aus dem das HMB ihn nun erwerben konnte. Aufgrund unzureichender Lagerbedingungen waren nun unter anderem einige Furnierschäden zu beheben und Profilleisten zu ergänzen. Die «Verbesserungen» des 19. Jahrhunderts blieben erhalten. Sie sind Teil der wechselvollen Geschichte des Möbels und seiner Reise von Basel ins Badische und zurück nach Basel, wo der Schrank künftig im Haus zum Kirschgarten zu sehen sein wird.

Höfischer Kontext

Schon lange unterhielten die Markgrafen enge Verbindungen zu Basel und residierten zeitweilig sogar in der befreundeten Stadt. Ihre Präsenz beeinflusste das städtische Leben nachhaltig. Um dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) und dem folgenden Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) zu entkommen, liessen sie sich dauerhaft in Basel nieder.

Markgraf Friedrich VII. Magnus regierte von 1677 bis 1709. Da alle Schlösser des Fürsten vom Feind niedergebrannt worden waren, flüchtete er über Umwege zuletzt nach Basel. Dort brach im markgräflichen Hof zu allem Unglück in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1698 ein Feuer aus, das auf das gesamte Gebäude übergriff. Bereits wenige Wochen nach dem Brand wurde mit dem Wiederaufbau des Basler Schlosses begonnen. 1701 übernahm der Maler Johann Rudolf Huber (1668–1748) das Bauinspektorat; von ihm stammt auch ein Bildnis des Markgrafen Friedrich VII. Erst 1705 war die Innenausstattung des Stadtpalastes so weit fortgeschritten, dass die markgräfliche Familie den Neubau beziehen konnte. Es ist naheliegend, dass der Prunkschrank speziell für das neue Palais angefertigt wurde. Der Markgräflerhof in der Hebelstrasse gilt als ältester Barockpalais der Schweiz und wird heute vom Universitätsspital als Bürogebäude genutzt.

Zweimal versteigert, zweimal ein Hochzeitsgeschenk

1807 teilte das Haus Baden dem Bürgermeister und dem Rat von Basel seinen Entschluss zur Auflösung seiner Residenz in Basel mit. Die Liegenschaft wurde 1808 von der Stadt Basel erworben, das Inventar des Schlosses versteigert. Der Prunkschrank war bereits 1790 an einen Goldschmied in Lörrach verkauft worden. Dies geht aus einem handschriftlichen Zettel hervor, der sich im Inneren des Möbels befand und der auch die weiteren Besitzer des 19. Jahrhunderts namentlich überliefert. 1856 übergab die Stadt Lörrach den Säulenschrank als Hochzeitsgeschenk an Grossherzog Friedrich I. von Baden (1826–1907), Ur-Ur-Ur-Urenkel des Erbauers des Basler Residenzschlosses, und seiner Gemahlin Luise Marie Elisabeth Prinzessin von Preussen (1838–1923). So gelangte das Möbel zurück an das badische Adelshaus. Auf den Innenseiten der oberen Türen sind zwei vergoldete Messingplatten mit der Widmungsinschrift (links) sowie dem badischen und dem preussischen Wappen (rechts) angebracht. Die Widmungsinschrift lautet:

Inschrift,
19. Jahrhundert

Ihrem / durchlauchigsten / Fürsten und Herren / dem regierenden Grossherzog / Friedrich von Baden / und seiner hohen Gemahlin / der Prinzessin / Luise von Preussen, / königliche Hoheiten, / bringen die treugesinnten Bewohner des Amtsbezirkes / und der Stadt Lörrach diesen Schrank welcher aus dem / Markgräflich Badischen Hofgebäude in Basel herstammend / von den erlauchten Vorfahren unseres erhabenen / Fürsten Hauses / früher schon benutzt, seither von Markgräflichers Hand / in werthem Andenken bewahrt war, / als ein äusseres Zeichen ihrer freudigen Theilnahme / bei Gelegenheit Höchstihrer am 20. September 1856 / stattgehalten[en] Vermählung in tiefster / Ehrfurcht dar und begleiten / diese Gabe / mit den aufrichtigsten Segens / Wünschen.

Für die Übergabe wurde das Möbel aufwendig restauriert. Stolz signierte der ausführende Handwerker Hermann Rupp gleich an mehreren Stellen seine Arbeit. Sicherlich furnierte er auch die Innenseiten der Türen und brachte die schwarzen Füllungen an, die die Messingtafeln tragen. Solche stilgerechten Ergänzungen sah man zu dieser Zeit als legitime Aufwertungen überkommener Kunstwerke an. 

Bei der Versteigerung der badischen Sammlungen 1995 bei Sotheby’s wurde der Schank zum zweiten Mal durch das Adelshaus veräussert. Erworben wurde er vom heutigen Verkäufer des Möbels, der es seiner Verlobten schenkte. Nun ist der Schrank nach Basel zurückgekehrt und im zweiten Obergeschoss des Hauses zum Kirschgarten im sogenannten «Sommerhaus» zu besichtigen. Den Ankauf durch das HMB ermöglichten der Freiwillige Museumsverein Basel, die Stiftung für Kunsthandwerk des 18. und 19. Jahrhunderts sowie die Stiftung für das Historische Museum Basel.

18. May 2026
Dr. Sabine Söll-Tauchert, Curator Art History

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