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Ewig ausgeliehen? Zum Umgang mit Deposita

Deposita sind Objekte, die dauerhaft in den Sammlungen von Gedächtnisinstitutionen aufbewahrt werden, aber nicht in deren Eigentum sind. Was motiviert Institutionen und Privatpersonen dazu, ihre Objekte in externe Betreuung zu geben und was hat die andere Seite davon? Das Podiumsgespräch gibt es zum Nachschauen.

Das Podiumsgespräch am 20. März 2025 thematisierte die konkreten Herausforderungen, die sich im Alltag aus externen Besitz- und Betreuungsverhältnissen ergeben. Darüber hinaus ging es auch um die übergeordneten Fragen nach dem (Un-)Sinn des institutionellen Besitzdenkens von öffentlichem Kulturgut und um eine gemeinsame Verantwortung für die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit zu diesen Gütern.

«Provenienzforschung tut gut»

Mit dem Statement «Provenienzforschung tut gut» verwies Christian Klösch einerseits auf den moralischen Aspekt der Herkunftsforschung, die im Falle einer Restitution «ein wenig Unrecht wieder in Recht verwandeln» kann und andererseits auf den generellen Mehrwert, den das Wissen über die Nutzungsgeschichte der Objekte für die Sammlung eines kulturhistorischen Museums generiert.

Im Zentrum des Gesprächs standen anschliesssend die Wege, über die vormalig jüdisches Eigentum in die Museen gelangte. Tessa Rosebrock verwies auf die Involvierung der Museen bei der Enteignung bzw. «Verwertung» des jüdischen Eigentums durch die Nationalsozialisten. Bevor dieser Hausrat durch die Gestapo zur öffentlichen Versteigerung freigegeben wurde, sortierten Sachverständige Gegenstände aus, die ihrer Meinung nach «museumswürdig» waren.

Ihre akribische Dokumentation und Inventarisierung, die sich unter anderem in Spuren von Aufklebern und Etiketten an den entsprechenden Objekten erhalten hat, macht die Rekonstruktion dieser Enteignungen an Objekten des alltäglichen Gebrauchs heute möglich. Für diese enorm wichtige Sichtbarmachung oder Rekonstruktion dieser Provenienzmerkmale sind wir auf die Techniken und das Materialwissen der Restaurator:innen angewiesen, wie uns Floria Segieth-Wuelfert an diversen Beispielen, wie zum Beispiel einer einfachen Geige, eindrücklich zeigte.

Untersuchung von sogenanntem Fluchtgut

In ihrer grossen Not, die die nationalsozialistische Herrschaft über die jüdischen Menschen brachte, wandten sich diese zum Teil direkt an Museen, wie uns Christian Klösch berichtete. In der Hoffnung, dass ihr Eigentum im Museum sicher sei, vermachten sie dem Technischen Museum Wien beispielsweise ihre Bibliotheken und anderes für sie wertvolles Eigentum.

Aber auch über die nationalsozialistischen Stellen selbst, die jüdische Geschäfte, wie beispielsweise Musikhandlungen liquidierten, konnten Museen zu preisgünstigen Objekten kommen. Im Fall der Wienerischen Musikalienhandlung Theodor Sternberg beispielsweise gelang eine Restitution der Instrumente an die Erb:innen.

Solche Glücksfälle sind jedoch selten, da einerseits die Erbensuche nach über 80 Jahren sehr schwierig ist und andererseits die eindeutige Identifizierung des Alltagsgebrauchsguts häufig unmöglich ist, wie die Provenienzforscher:innen auf dem Podium betonten. Mit Blick auf die besondere Lage der Schweiz im Nationalsozialismus muss insbesondere das sogenannte «Fluchtgut» untersucht werden und dabei alle Erwerbungskontexte, egal ob Schenkung, Legat, Depositum oder Ankauf geprüft werden.

Doch Museen haben nicht nur die Verpflichtung Provenienzforschungen in ihrer Sammlung durchzuführen, Verdachtsfällen nachzugehen und nach Möglichkeiten eine «faire und gerechte Lösung» mit den Erb:innen der vormaligen Eigentümer:innen zu finden, sondern auch diese Forschung sichtbar zu machen. Diese Aufmerksamkeit kann dann auch zu einem grösseren Bewusstsein im privaten Bereich führen, denn, wie es Christian Klösch ausdrückte, in den Museen befindet sich nur das «Strandgut der NS-Enteignungen, die grosse Mehrheit der Gegenstände ist im Familienbesitz oder in Antiquariaten».

Jedoch wurde noch einmal betont, dass der Arbeitsauftrag bei den Museen liegt und hier eben nicht nur in Bezug auf hochkarätige Einzelstücke, sondern dass dieses Desiderat eben genauso explizit für die Erforschung der Alltagskultur besteht.

Dieser Fokus wurde explizit vom Publikum als interessant und relevant gewürdigt. Einen Austausch über dieses gesteigerte Bewusstsein und eine neue Sensibilität, die sich auch in Hinblick auf die Haltung zu Neuzugängen heute zeigt, rundete das Gespräch, dass Sie hier in voller Länge sehen können ab.

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