Ewig ausgeliehen? Zum Umgang mit Deposita
Deposita sind Objekte, die dauerhaft in den Sammlungen von Gedächtnisinstitutionen aufbewahrt werden, aber nicht in deren Eigentum sind. Was motiviert Institutionen und Privatpersonen dazu, ihre Objekte in externe Betreuung zu geben und was hat die andere Seite davon? Das Podiumsgespräch gibt es zum Nachschauen.
Das Podiumsgespräch am 20. März 2025 thematisierte die konkreten Herausforderungen, die sich im Alltag aus externen Besitz- und Betreuungsverhältnissen ergeben. Darüber hinaus ging es auch um die übergeordneten Fragen nach dem (Un-)Sinn des institutionellen Besitzdenkens von öffentlichem Kulturgut und um eine gemeinsame Verantwortung für die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit zu diesen Gütern.
Drei unterschiedliche Datenzugänge
Zum gut besuchten sechsten Podiumsgespräch der Reihe «Museen im Gespräch» brachten die Gäste digitale Projekte mit. Heike Bazak, die Leiterin des PTT-Archivs im Museum für Kommunikation stellte ein zweiteiliges Online-Portal vor, in dem die User:innen auf spielerische Art und Weise Objekte und ihre Geschichten entdecken können – oder, ebenfalls mit Hilfe von KI, die Museumssammlung, das Archiv und die Bibliothek erforschen können. Ihre Eindrücke, Ideen, Fragen und Assoziationen können die Besucher:innen des Portals über die integrierte Kommentarfunktion mitteilen.
Anschliessend präsentierten Barbara Gabrielli und Sarah Amsler die «Porta Cultura». Das erst vor wenigen Monaten live geschaltete Kulturgüterportal Graubündens vereint Museen, Archive, Bibliotheken und weitere Institutionen wie die Denkmalpflege oder kleinere Sammelstellen des Kantons. Da auch das aktuelle Kulturschaffen in Form eines Veranstaltungskalenders verknüpft wird, erhalten die User:innen eine unerwartet grosse mediale Vielfalt ihrer Suchergebnisse.
Im Schweizerischen Nationalmuseum wurde eine neue Abteilung für die digitale Transformation gegründet, wie uns Günhan Akarçay berichtete. Hier werden neue Wege und Tools erprobt: Welche Vorteile bringt uns ein dezentrales Kataloglogsystem, das auf der Blockchain-Technologie der Generation Web 3.0 basiert? Die Idee einer maximal transparenten Datenbank, die von unterschiedlichen Communities bewirtschaftet wird und alle Änderungen dokumentiert, besticht insbesondere in Hinblick auf Partizipation und Provenienzforschung.
Partizipation der Zielgruppen – am backend und am frontend
Der Moderator Mirco Melone, der als Leiter der Generalinventur im Historischen Museum Basel selbst den Aufbau einer Sammlungsdatenbank begleitete, führte die drei unterschiedlichen Datenbanken und Projekte über die Frage der Zielgruppenanalyse zusammen. Auch wenn wir uns bemühen, die potentiellen User:innen über Soundingboards, Testing und Feedback-Schlaufen bereits in der Konzeptionsphase zu integrieren, so müssen wir darauf achten, dass unsere Museen und Archive nicht geschlossenen Systemen gleichen, bzw. wir in unserer Bubble nicht nur um uns selbst kreisen.
Zusammenarbeit der Institutionen – aber wie?
Die Beispiele der gemeinsamen Kulturgüterdatenbanken sind ohne Frage attraktiv für die Nutzenden. Aber wie gelingt es, die unterschiedliche Ontologie der verschiedenen Datenbanken wie Archiv oder Museumssammlung zusammenzubringen? Auch hier hilft der Fokus auf die User:innen bzw. die datengebenden Institutionen, wie Barbara Gabrielli und Sarah Amsler betonten. Eine produktive Kollaboration kann dann gelingen, wenn der gemeinsame Nutzen vor den Schutz des eigenen «Gärtlis» gestellt wird und jeder ein Stück für das Gemeinsame aufgibt.
Und wie innovativ müssen, sollen, dürfen wir dabei sein?
Günhan Akarçays Definition von Innovation als Anpassungsfähigkeit an die sich ständig wandelnde Gesellschaft prägte die Frage nach dem notwendigen Mut und Weitblick, den wir für die digitalen Kulturformate brauchen. Heike Bazak betonte, dass eine gute Fehlerkultur uns genauso über mögliche technische Enttäuschungen oder Ressourcenmangel hinweghelfen kann, wie die Bereitschaft die digitalen Produkte nicht als abgeschlossene Projekte, sondern als Entwicklungen zu sehen, die immer wieder neu angepasst werden müssen.
Die abschliessende Frage nach dem Stellenwert der Visualisierung bzw. der Anschaulichkeit und der Benutzerfreundlichkeit führte das Gespräch nochmals auf die Kernpunkte zurück. Auch wenn die Technik vieles möglich macht, Stichwort KI, müssen wir uns einerseits zugestehen, Dinge auszuprobieren und daran zu scheitern, und andererseits sowohl unser Publikum als auch unsere Kolleg:innen immer wieder «mit ins Boot» holen.