Objekt 3004
Dreiteilige Kreuzigungsszene aus der Kartause in Freiburg im Breisgau
Beschreibung
Unter dem Kreuz mit dem bussfertigen Schächer Dismas stützt Johannes die Mutter Jesu. Auf dem Spruchband steht die Bitte des Schächers (übersetzt): «Gedenke meiner, Herr, wenn Du in Dein Reich kommst».
Im Zentrum der Dreiergruppe steht das Kreuz Christi, das Maria Magdalena voller Trauer umklammert. Der blinde Longinus sticht Christus mit der Lanze in die Seite. Stephaton hält den Essigschwamm für den Gekreuzigten bereit. Auf dem Schriftband oben die Antwort Christi auf die Bitte des Schächers Dismas (übersetzt):«Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.» Der Schriftzug hinter Christus wendet sich an den Betrachter (übersetzt): «Wir aber müssen uns rühmen wegen des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.»
Das kleine Schriftband rechts setzt sich fort in der Scheibe des Schächers Gestas und gibt die Worte des Hauptmanns wieder (übersetzt): «Dieser ist wahrhaft der Sohn Gottes.» Widmung und Wappen der Familie Botzheim am Fuss des Kreuzes wurden 1563 nachträglich eingesetzt.
Am Fuss des Kreuzes mit dem Schächer Gestas würfeln zwei Kriegsknechte um die Kleider Christi. Im Hintergrund zeigt der Hauptmann zu Pferd auf Christus und spricht (übersetzt): «Dieser ist wahrhaft der Sohn Gottes». Auf dem Spruchband über dem unbussfertigen Schächer (übersetzt): «Wenn Du Gottes Sohn bist, rette uns und Dich selbst.»
Die acht Glasgemälde aus der Freiburger Kartause gehören zu einem Zyklus von ursprünglich 31 Scheiben (fünf kriegszerstört), die ursprünglich wohl den grossen Kreuzgang des Klosters schmückten. Sie zählen zum Bedeutendsten, was die deutsche Glasmalerei des frühen 16. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Bemerkenswert sind die plastische, zeichnerisch durchgebildete Behandlung der Körper, Gewänder und Landschaften.
Kulturgeschichtlich interessant ist die grosse Anzahl von Ritzinschriften und Jahreszahlen des 16.–18. Jahrhunderts, mit denen sich Besucher der Kartause verewigt haben.
Nach der Säkularisierung der Kartause 1782 wurden die Glasgemälde 1783 in der Klosterkirche von St. Blasien im Schwarzwald wieder verwendet, was ihre hohe Wertschätzung bezeugt: Die spätmittelalterlichen Farbfenster wurden dort mit zeitgenössischen Schöpfungen kombiniert.
Nach der Aufhebung des Klosters St. Blasien wurden die Scheiben verkauft und gelangten über mehrere Besitzerwechsel in die Gräflich Douglas'sche Sammlung, die 1897 in Köln versteigert wurde.
Objektbeschreibung
Freiburg i. Br., um 1525–1529
Ausführung: Werkstatt Hans Gitschmann von Ropstein (1480/85–1564) Entwurf: Umkreis Hans Baldung Grien (1484/85–1545)
Inv. 1898.396.a.-c.