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Objekt 1012

Es war eine hervorragende Zeit… – Ein Gespräch mit dem Projektleiter der Generalinventur Mirco Melone

Beschreibung

Es war eine hervorragende Zeit…
Ein Gespräch mit dem Projektleiter der Generalinventur Mirco Melone

Anne Hasselmann:
Das Inventarium ist eine Dokumentation der Generalinventur, die sich nun bald dem Ende zuneigt. Unglaublich, aber nun, nach viereinhalb Jahren stehen wir nun kurz vor dem Abschluss dieses riesengrossen Projekts. Und mir gegenüber steht Mirco Melone, der Projektleiter der Generalinventur. Gerne möchte ich Dich fragen, erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten Arbeitstag im März 2021 im Historischen Museum Basel?

Mirco Melone:
Hallo Anne, das ist eine gute Frage. Ich erinnere mich tatsächlich nicht an meinen ersten Arbeitstag, das ist schon so lange her. Es war wahrscheinlich wie immer an ersten Tagen. Man wird rumgeführt usw. Aber an was ich mich natürlich erinnere, ist die Anfangszeit generell. Sie war von einem raschen Einarbeiten geprägt. Ich habe die Materie kennengelernt, die Sammlung in den ersten Grundzügen. Und natürlich der Beginn des Projektsaufbaus, Gedanken über mögliche Teamstrukturen, Prozess, Abläufe usw. Dieser Null-auf-Hundert-Start in relativ kurzer Zeit ist bei mir geblieben – das war durchaus spannend.

Anne Hasselmann:
Jetzt sind viereinhalb Jahre vergangen. Die Zahlen und Fakten, die auch hier ausgestellt sind, sind bekannt: Über 300'000 Objekte wurden neu erfasst und inventarisiert. Unsere Besuchenden interessiert bestimmt der Blick hinter die Kulissen. Erzähl uns doch mal, was das Absurdeste, das Überraschendste, das Schockierende oder auch das Schönste, was Du hier erlebt hast.

Mirco Melone:
Die Frage nach dem Schockierenden oder Absurdesten könnte ich wohl jede Woche neu beantworten. Denn man trifft ja in den Depots in dieser grossen und grossartigen Sammlung immer wieder unglaublich skurrile Objekte an, Besonderheiten, Absurditäten…

Anne Hasselmann:
Und wenn ich Dich doch nochmals frage, und Du müsstest eines herausgreifen? An was erinnerst Du Dich? Welches Objekt wird Dir immer in Erinnerung bleiben?

Mirco Melone:
Tatsächlich ein Nierenstein. Ein Nierenstein aus einem grossen Basler Konvolut, das aus einer ganzen Haushaltseinrichtung bestand. Und darunter befand sich tatsächlich ein Nierenstein.

Anne Hasselmann:
Das ist ja wirklich absurd. Es gibt wohl nicht viele Haushalte, die einen Nierenstein aufbewahren. Das überrascht mich jetzt auch. Du kennst die Sammlung nun wirklich besonders gut. Eine Sammlung, die bereits vor über 150 Jahren angelegt wurde – unglaublich vielfältig: Eine Sammlung, die von Militaria über Ballkleider und Nierensteine geht. Was sagst Du als Kulturwissenschaftler und Historiker sagen, was zeichnet die Sammlung aus?

Mirco Melone:
Ich glaube die Sammlung ist in ihrer Breite einzigartig. Oder zumindest sehr, sehr breit angelegt. Hier gibt es Objekte aus unterschiedlichen Zeiten und Bereichen. Ein Bereich, der manchmal etwas «unter dem Radar» bleibt, ist die Alltagskultur. Sie ist in dieser Sammlung sehr schön dokumentiert. Alltagsgeschichte, so wie er von den Menschen erlebt wurde. Insbesondere hier ist die Sammlung sehr gut aufgestellt und es gibt sicher noch viele Geschichten zu entdecken.

Anne Hasselmann:
Ja, die Grundlage dafür haben wir jetzt gelegt. Alle Objekte sind digital erschlossen, das ist fantastisch. Jetzt sind es nur noch wenige Monate, die Du hier im HMB arbeiten wirst. Wie fühlst Du Dich, bist Du traurig, erleichtert, würdest Du es wieder machen?

Mirco Melone:
Ja, ein wenig wehmütig bin ich schon, dass das Projekt zu Ende geht, es war ein sehr spannendes Projekt. Es hat jedoch auch sehr viel Energie gekostet, insofern, eine gewisse Erleichterung zeichnet sich schon ab. Ich bin ganz froh, dass dann die Inventur auch mal zu Ende ist. Aber klar, es waren hervorragende Jahre, die ich hier verbracht habe, ein wunderbares Team, wundervolle neue Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Wir hatten auch einen wunderbaren spirit, mit dem wir dieses Projekt ins Ziel bringen werden und das werde ich natürlich vermissen. Aber das gehört zur Projektarbeit hinzu und es werden hoffentlich neue Projekte kommen mit hoffentlich ebenso tollen Menschen.

Anne Hasselmann:
Das wünsche ich Dir, lieber Mirco, vielen Dank für das Gespräch.

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