Raum 102
Ehemalige Küche
Beschreibung
In diesem grossen, gewölbten Raum, der ursprünglich durch eine Wand von dem strassenseitigen Raum abgetrennt war, befand sich die ehemalige Küche. Durchgänge verbanden die Küche mit dem Nebeneingang, dem Raum für die Hausangestellten, dem ehemaligen Dienstbotentreppenhaus, dem Abgang zum Keller, der Kutschendurchfahrt und dem Garten. Von der ursprünglichen Einrichtung hat sich nichts erhalten.
Objektbeschreibung
Kachelofen
Aarau (AG); 1783 datiert
Hafner: Johann Jakob Fischer
Fayence, Scharffeuerdekor.
Inv. 1900.149.
Dieser Ofen war, bevor er im Jahr 1900 in das Historische Museum Basel gelangte, in einem Haus in Lenzburg (AG) aufgestellt. Durch eine Inschrift auf einer Leistenkachel in der Mitte (unterhalb der Kachel, die einen Mann mit Turban zeigt) ist der Ofen in das Jahr 1783 datiert. Die verbundenen Buchstaben links daneben beziehen sich auf den Hafner Johann Jakob Fischer (bezeugt 1746, gest. 1809). Er war Sohn des Aarauer Hafners Balthasar Fischer und Mitglied des Rates der Stadt Aarau.
Kachelofen mit neutestamentlichen Szenen
Zürich, um 1735/40
Maler: David I Sulzer
Fayence mit Scharffeuermalerei, Sandsteinfüsse
Inv. 1895.14.
Der grosse Turmofen stammt aus dem Burghof in der Zürcher Altstadt (Froschaugasse 4). Er entstand um 1735/40 in einer Zürcher Ofenhafnerei. Die qualitätvollen Malereien mit Blumengirlanden, Tugend- und Evangelistendarstellungen und 13 Szenen aus dem Neuen Testament stammen vom Maler David I. Sulzer. Die mehrzeiligen Schriftfelder beziehen sich auf die neutestamentlichen Bilder, die mit der Taufe Jesu im Jordan einsetzen. Es überwiegen die Schilderungen von Wundertaten Jesu und Gleichnissen; Themen der Passion kommen nicht vor.
Tafelkultur in Basel
Im 18. Jahrhundert galten in der Basler Oberschicht die Regeln des Service à la française: Bei einem festlichen Essen wurden jeweils mehrere Gerichte gleichzeitig auf dem Tisch platziert. Bestand die Mahlzeit aus zwei Gängen, wurde nicht nur Warmes und Kaltes gemischt aufgetragen, sondern ebenso Salziges und Süsses. Bei dieser Fülle sorgte eine strenge, symmetrische Verteilung der Geschirrteile für formale Ruhe und repräsentative Wirkung. Mehrteilige Aufsätze oder grosse Terrinen betonten die Mitte der Tafel.
Im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts waren in Basel vor allem Strassburger Speiseservice beliebt. Man bestellte sie vermutlich direkt bei der Manufaktur. Das war sicherlich der Fall, wenn man anlässlich einer Hochzeit ein Speiseservice mit den Wappen der Ehepartner in Auftrag gab. Einzelobjekte konnte man immer wieder bei durchreisenden Händlern kaufen, vor allem während der Herbstmesse.
Festlich gedeckte Tafel im Zunfthaus zum Schlüssel, 1802
Schemazeichnung aus:
«Guter Rath für angehende Hauswirthinnen», Mülhausen 1827
Umschrift der Schemazeichnung:
Erster Aufsatz
gefüllte Hirne – Senf – Servelat Würste – Hammels Ripplein
Gemüs – Pastete – Suppe – Rindsfleisch – Gemüs
gebackene Schweinsohren – Rettig Salat – Rothe Rahnen – Fische
Zweiter Aufsatz
Saunieren – Artischoken – Salat von Anchois – Mirabellen – Creme – Harte Eyer
Tabaks Rollen – Junge Hähne – Kalter Fisch – Wildpret – Küchlein
Oehlgeschirr – Creme – Himbeeren –Salat – Frikassirter Kopfsalat – Gestossener Zucker