Objekt 500
Chaos und Fraktale – im Dialog mit der Wissenschaft
Beschreibung
So verschieden die Kriterien für die Künste und die Wissenschaften auch sind, gibt es insofern Gemeinsamkeiten, als die Menschen, die in diesen beiden Bereichen arbeiten, von Neugier angetrieben werden. Es gilt Zusammenhänge zu erkunden, die andere noch nicht erkannt haben, Strukturen zu entwerfen, die bis dahin nicht existierten.
György Ligeti, 1991
Das Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften begleitete György Ligeti sein ganzes Leben lang. Seine Arbeitsmethoden als Komponist verglich er oft mit denen wissenschaftlicher Forschung, betonte aber auch die Unterschiede zwischen beiden Bereichen. Das Poème Symphonique für 100 Metronome ist eine «musikalische Zeremonie» und zugleich ein hörpsychologisches Experiment. Ligetis Interesse an hochpräzisen Maschinen und Uhrwerken manifestiert sich in Clocks and Clouds für textlosen Frauenchor und Orchester, dessen Titel er einem Essay des Philosophen Karl Popper entlehnt hat. 1984 sah Ligeti erstmals computergenerierte fraktale Bilder, die ihn sofort faszinierten. Er lernte einen der einflussreichsten Forscher der fraktalen Geometrie und Chaostheorie persönlich kennen: Benoît B. Mandelbrot, der 1975 den Begriff «Fraktal» prägte. Ligeti beschäftigte sich intensiv mit fraktalähnlichen musikalischen Strukturen, wie sie im 4. Satz des Klavierkonzerts zum Einsatz kommen.