Winckelmann – Der Erfinder einer idealen Antike

Bibliotheksvitrine

Anlässlich des 250. Todestages von Johann Joachim Winckelmann (9.12.1717–8.6.1768) präsentiert das Historische Museum Basel in der Barfüsserkirche einige seiner bahnbrechenden Schriften aus den Beständen der Universitätsbibliothek.

Eine besondere Attraktion ist das wiederentdeckte Bildnis des deutschen Altertumswissenschaftlers, das als Leihgabe aus Privatbesitz erstmals öffentlich zu sehen ist.

Die Ausstellung in der Bibliotheksvitrine dauert bis 30. Juni 2019.

der begründer der Kunstgeschichte als Wissenschaft


Winckelmann war am 9. Dezember 1717 als Kind eines Schusters in Stendal, Sachsen-Anhalt, in ärmlichen Verhältnissen geboren worden. Im Alter von 31 Jahren wurde der studierte Theologe Bibliothekar des Reichsgrafen von Brünau auf Schloss Nöthnitz bei Dresden. Dort entwickelte er im Umgang mit Künstlern und bei Besuchen der Dresdener Kunstsammlungen neue Ideen zur bildenden Kunst. Sein abenteuerlicher Weg führte ihn nach Rom, wo er ab 1763 als Präsident der päpstlichen Altertumsverwaltung amtete.

Die ausgestellten Werke zeugen davon, dass Winckelmann als Erster die Kunstbeschreibung als methodisches Problem der Kunstwissenschaft erkannte. Er wandte sich in seinen Schriften von der Kunstgeschichte als Künstlergeschichte ab, indem er die Kunst selbst als historischen Verlauf thematisierte und ihre stilistische Entwicklung aufzeigte. Damit wurde er nicht nur zum Begründer der klassischen Archäologie und der Kunstgeschichte als Wissenschaft, sondern auch zu einem wichtigen Wegbereiter der klassizistischen Ästhetik. Seine Werke wurden schon bald in verschiedene europäische Sprachen übersetzt.

Zu Winckelmanns Freundeskreis zählte auch der einflussreiche Basler Kupferstecher und Verleger Christian von Mechel (1737–1817). In der kleinen Ausstellung sind beide Persönlichkeiten in Bildnissen präsent. Eine kleine Sensation ist das lebensnahe Porträt Winckelmanns, das lange als verschollen galt. Das Porträt zeigt den 50-jährigen Altertumsforscher 1767 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der österreichische Maler Anton von Maron (1731–1808) schuf dieses Gemälde 1768 wenige Monate vor dem plötzlichen Tod des Altertumsforschers.

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Der Mordanschlag

Vor 250 Jahren, am 8. Juni 1768, wurde Johann Joachim Winckelmann in der Osteria Grande an Triests Piazza San Pietro Opfer eines Mordanschlags. Der Gelehrte war inkognito gereist, als aber im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen bekannt wurde, dass es sich bei ihm um den päpstlichen Antikenverwalter Roms handelte, der international als Gelehrter und Trendsetter gefeiert worden war, fand das Verbrechen europaweit eine breite Aufmerksamkeit.

Winckelmann hatte nach einer Audienz bei Kaiserin Maria Theresia, die ihm vier goldene und silberne Medaillen geschenkt hatte, seine Weiterreise nach Deutschland abgebrochen, um wieder nach Rom zurückzukehren. Deshalb reiste er von Wien nach Triest, um sich in Ancona einzuschiffen. Nur durch die Berühmtheit des Opfers wurde die Tat zu einem der spektakulärsten Kriminalfälle des 18. Jahrhunderts.

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Das Portrait Winckelmann

Anton von Maron
Teilreplik seines berühmten Winckelmann-Porträts in Weimar
1768 Öl auf Leinwand
Leihgabe

Das Porträt zeigt den fünfzigjährigen Gelehrten 1768 auf dem Höhepunkt seiner Karriere kurz vor seiner Abreise aus Rom und somit im Jahr seines Todes. Winckelmann trägt einen seidenen, pelzbesetzten Hausmantel und einen leger über den Kopf geschwungenen Turban. Betont wurde damit seine privilegierte Stellung als Kunstgelehrter in der Hierarchie der päpstlichen Administration.

Das Bildnis hat Maron auf Bitten Winckelmanns für den damals hochgepriesenen Basler Kupferstecher Christian von Mechel wiederholt. Verbunden hat er damit die Hoffnung, dass es durch Mechel als Kupferstich verbreitet würde.