Stickvorlage mit der Quadriga des Brandenburger Tores

Stickvorlage mit der Quadriga des Brandenburger Tores

Verlag Ludwig Wilhelm Wittich, Berlin, um 1815/20
Radierung, mit Gouache koloriert
H. 45,8 cm, B. 40,9 cm (Bildgrösse)
Inv. 1990.261.32.

Bildauflösung:
394px x 394px

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Charlotte César (1763–1851) stammte aus einer wohlhabenden und dem preussischen Königshof nahestehenden Berliner Familie; ihr Vater Karl Philipp César war Bankier und Geheimrat, und als Privatsekretär des Prinzen Heinrich von Preussen war er vor allem mit dessen Kunstankäufen betraut. 1787 heiratete seine Tochter Charlotte den zwanzig Jahre älteren Emanuel Streckeisen (1743– 1826) aus Basel, der damals in Amsterdam als erfolgreicher Handelsmann tätig war. Anlässlich seiner Rückkehr nach Basel kaufte er den Ramsteinerhof, auf dem Münsterhügel am Rhein gelegen, ein repräsentatives Barockpalais, das er und seine Frau 1796 bezogen. Von einer Renovierung und partiellen Neuausstattung dieser Zeit stammen wohl zwei Supraporten in einem Eckzimmer des Erdgeschosses, auf denen Berliner Ansichten, darunter das Brandenburger Tor, zu sehen sind. Das lässt vermuten, dass dieser Raum zum Aufenthalt für die aus Berlin stammende Charlotte Streckeisen-César und ihre bei ihr lebende Mutter, Elisabeth César-Le Vaux, gedacht war. Hier könnte Charlotte Streckeisen-César nach jenen Vorlagen gestickt haben, die in grösserer Zahl aus ihrem Besitz erhalten sind.
Eine davon, im Berliner Verlag Wittich publiziert, zeigt die Quadriga des Brandenburger Tores. Mit dem eisernen Kreuz im Panier der Siegesgöttin weist sie auf ihre Entstehung nach 1814 hin. Denn damals kehrte die monumentale Quadriga in einem triumphalen Zug aus Paris zurück, wohin Napoleon sie entführt hatte; um das Symbol des Siegeskreuzes bereichert, wurde sie wieder auf dem Brandenburger Tor aufgestellt.
Dieses Motiv schien geeignet, von den beiden Berliner Damen in Stickerei umgesetzt zu werden. Das recht grosse Format der Vorlage lässt vermuten, dass sie zur Umsetzung in einen Kaminschirm gedacht war – eine sicherlich willkommene Erinnerung an die Heimatstadt Berlin und eine passende und nationalstolze Ergänzung zu den Supraporten mit Berliner Ansichten.

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