Stammbuch Passavant

Stammbuch Passavant

mit Einträgen 1799–1801
aus Montmirail
Papier, gebunden; Papiereinband
H. 7,5 cm, B. 12,5 cm
Inv. 1919.20.

Stammbuch von Salomea Schuler
mit Einträgen 1819–1823
aus Basel und St. Imier
Papier, gebunden
Ledereinband mit Goldprägung
kolorierte Stiche, Zeichnungen
Klebearbeiten aus Papier
H. 10,5 cm, B. 17 cm
Inv. 1939.1151.

Stammbuch von D. Föhr
mit Einträgen 1828–1833
aus Basel und St. Imier
Papier, gebunden
Ledereinband mit Goldprägung
Aquarelle, Zeichnungen
kolorierte Drucke, Haarkränze
H. 10,8 cm, B. 17,6 cm
Inv. 1982.419.

Stammbuch von Louise Hübscher
mit Einträgen 1823–1829 aus Basel,
Neuchâtel und Neuveville
Papier, gebunden
Ledereinband mit Goldprägung
Aquarelle, Zeichnungen
kolorierte Drucke, Haarkränze
H. 11,7 cm, B. 18,3 cm
Inv. 1989.107.

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Andenken an die Internatszeit
Auch für Mädchen war ein Aufenthalt in der Fremde wichtiger Bestandteil der Erziehung und Ausbildung. Während die jungen Männer Reisen ins Ausland unternahmen, verbrachten die Mädchen ihr sog. «Welschlandjahr» in der Regel in der französischen Schweiz. Die pietistisch orientierten Familien wählten für ihre Töchter mit Vorliebe das Internat der Herrnhuter Brüdergemeine Montmirail. Montmirail war vornehm, aber spartanisch und leistete Gewähr, dass die Töchter im Glauben richtig unterwiesen wurden.

Die Kontakte und Freundschaften, die während dieser Aufenthalte geknüpft wurden, fanden Niederschlag in sog. Stammbüchern – eigentlich Andenkenbüchern und Souveniralben –, die aus der Zeit zwischen 1770 und 1850 zahlreich überliefert sind. Der empfindsame Freundschaftskult, der im 18. Jahrhundert einsetzte und an dem sowohl Frauen wie Männer teilhatten, erreichte im frühen 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. In der Biedermeierzeit hatten die Stammbücher bereits eine feste Form: kleines Queroktav- Format, aufwendig ausgestattet mit Goldprägungen und Goldschnitt, manchmal durch einen Schuber oder ein Futteral geschützt, oft auch als lose Blattsammlung in einer Buchattrappen-Kassette vereinigt.

In diesen Büchern sammelten die Mädchen – wie hier die Töchter aus den Familien Föhr, Passavant, Hübscher und Schuler – bei den Freundinnen aus dem Internat ihre «Souvenirs d’Amitié». Den Hauptteil des Eintrags macht jeweils eine Widmung aus, die der Freundin mit auf den Weg gegeben wurde. Der Denkspruch wird begleitet von einem Bildschmuck: Drucke, Aquarelle, geklebte Papierarbeiten, Scherenschnitte und geflochtene Haarkränze sind die häufigsten Formen, in denen die Freundschaft bildlich bezeugt wird. Etwas nüchterner kommt das kleine Andenkenbüchlein der «Jungfer Passavant» daher, die ihr «Welschlandjahr» 1799 in Montmirail verbrachte.

So lautet einer der frommen Einträge (aufgeschlagene Seite): «Liebster Heiland gib mir doch, / dass ich dein so sanftes Joch, / herzlich, lieb und willig trage, / so wird jeder meiner Tage, / die in deinem Buche stehn, / sanft und froh vorüber gehn. / Die Erfüllung dieses Wunsches wünscht Ihnen Ihre aufrichtig Sie stets zärtlich liebende Freundin Cécile Sprecher. Montmirail 6 Octobre 1799.»

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