Stammbuch des Jobst Friedrich Tetzel aus Nürnberg

Stammbuch des Jobst Friedrich Tetzel aus Nürnberg

Einträge aus Basel, 1577–1578 datiert
Papier, Deckfarbenmalerei; Pergamenteinband
H. 23 cm, B. 18 cm
Inv. 1928.186.

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Jobst Friedrich Tetzel (1556–1612), der Halter dieses Stammbuches, stammte aus einer bekannten Nürnberger Patrizierfamilie. Er hatte sich während des Rektorats von Felix Platter (Kat. 89) an der Basler Universität immatrikuliert (1576/77) und Namen und Herkunft in der für die Matrikel üblichen lateinischen Form angegeben: Jodocus Fridericus Tezelius, Norimbergensis. Ein weiteres, in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar aufbewahrtes Stammbuch aus seinem Besitz und Einträge in Stammbüchern anderer Halter weisen darauf hin, dass er sich in den Jahren 1573/74 in Leipzig und danach einige Zeit in Italien aufgehalten hat; auf dem Rückweg in den Norden schrieb er sich an der Basler Universität ein. Nach dem Studium nach Franken zurückgekehrt, liess er in der Grundherrschaft Kirchensittenbach (nordöstlich von Nürnberg), die seit 1569 seinem Vater gehörte, das heute noch bestehende Schloss sowie die Kirche erbauen, in der auch seine Grablege ist. Er errichtete, da er ohne männliche Nachfahren starb, eine bis heute existierende, nach ihm benannte Stiftung.
Aufgeschlagen ist der Eintrag des David Wirsung aus Augsburg, der ebenfalls seit 1576/77 an der Basler Universität studierte und hier 1581 den Titel eines Dr. med. erwarb. Er stammte aus einer Augsburger Gelehrtenfamilie, studierte in Tübingen und Basel und besuchte auch Heidelberg, Strassburg und Altdorf. Später wirkte er als Stadtphysikus in Eger in Böhmen. Er wählte zu der Abbildung seines Wappens und den gelehrten Zitaten in Griechisch und Latein noch ein weiteres Motiv: eine elegante «Nympha Basiliensis». Zu Seiten der Figur befindet sich ein Vers aus der «Ars Amatoria» des Ovid (II, 668), allerdings in modifizierter Form: «iste feret segetes, iste colendus ager» (= Dies ist ein Feld, das Frucht trägt, das man bewundern muss). Mit dem Auswechseln des bei Ovid gebrauchten «serendus» (= ist zu bestellen, zu besäen) durch «colendus» (= ist zu verehren) erhält der Vers eine andere Bedeutung. Man ahnt, dass die jungen Studenten in einer fremden Stadt nicht nur universitäre Erfahrungen machten.
Von David Wirsung hat sich ein Stammbuch mit 635 Einträgen in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek erhalten; es enthält mit einem 1577 datierten Gegeneintrag des Jobst Friedrich Tetzel einen Beleg dafür, dass Stammbucheinträge oft auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhten.

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