Schmuckkästchen von Hans Jakob d'Annone (1684-1744)

Schmuckkästchen von Hans Jakob d'Annone (1684-1744)

Basel, 2. Viertel 18. Jahrhundert
Goldschmied: Hans Jakob d'Annone (1684 - 1744)
Vermeil, Schildpatt, bemalte Emailmedaillons, Samt
H. 8,2 cm, L. 8,9 cm, B. 12,1 cm
Inv. 2012.149.

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CHF 40.00

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Das rechteckige Kästchen mit Klappdeckel ist aus Schildpatt gefertigt. Dieses in rötlichen und gelben Brauntönen schimmernde, lichtdurchlässige Material wird aus den Hornschuppen des Rückenschildes von Meeresschildkröten gewonnen. Fuss und Deckel sind durch mehrfach abgestufte, godronierte und vergoldete Silberleisten gefasst. Die fein gravierten Henkelchen wurden aus unvergoldetem Silber hergestellt. Das Innere ist mit grünem Samt ausgeschlagen. Seitenwände und Deckel sind mit insgesamt fünf farbig bemalten, in Vermeil gefassten Emailmedaillons verziert. Das grosse, ovale Emailmedaillon auf dem Deckel zeigt eine ausgesprochen qualitätvolle Darstellung der Königin von Saba vor König Salomon. Die kleineren, weniger fein und von anderer Hand bemalten Medaillons auf der Vorder- und Rückseite des Kästchens zeigen Maria und Jesuskind sowie einen Heiligen bzw. Blumendekor vor schwarzem Hintergrund. Der Heilige ist wegen einer Schadstelle nicht eindeutig zu identifizieren. Das auf den Silberteilen verwendete Basler Beschauzeichen mit dem Kränzlein ist erst ab 1730 in Gebrauch, daher liegt die Entstehungszeit des Kästchens in den Jahren zwischen 1730 und 1744, dem Todesjahr d’Annones.
Der Basler Goldschmied Hans Jakob d’Annone hat sich in seinen Wanderjahren in zahlreichen deutschen Städten aufgehalten, unter anderem in Augsburg, dem produktivsten Zentrum für Goldschmiedekunst zu jener Zeit. Dort konnte er sein Handwerk verfeinern und auch die Verarbeitung seltener und exotischer Materialien erlernen. Möglicherweise wurden die farbig bemalten Emailmedaillons und das Schildpatt auch von dort importiert.
Die Kombination von vergoldetem Silber, Schildpatt, bemaltem Email und Samt macht aus diesem Schmuckkästchen ein für Basel ungewöhnlich kostbares Objekt, das Augsburger Vorbilder vermuten lässt. Andere dieser von d’Annone in Serie hergestellten Schmuckkästchen sind gänzlich aus Silber und nur mit vergoldeten Beschlägen verziert (HMB Inv. 1913.59. und Privatbesitz). Nur ein weiteres Exemplar ist ebenfalls aus Schildpatt, jedoch in der Erscheinung etwas schlichter mit nur einem Emailmedaillon mit Portrait, diskret im Innern des Deckels angebracht (HMB Inv. 1931.19).
Die grosszügige Schenkung des zuvor nicht bekannten Schmuckkästchens von Hans Jakob d’Annone ist eine erfreuliche Bereicherung der Sammlung. Dieses herausragende Basler Familienerbstück zeigt, dass Luxusobjekte auch in einer protestantischen Stadt im privaten Rahmen durchaus zu finden waren.

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