Scheibenriss mit Wappen von Henman Sevogel von Wildenstein und Gredanna von Eptingen
Malerei und Grafik

Scheibenriss mit Wappen von Henman Sevogel von Wildenstein und Gredanna von Eptingen

Bern (?), um 1881-1883
Künstler: wohl Johann Heinrich Müller (1822-1903)
Bleistift auf Karton, teilweise mit brauner Tusche laviert
H. 60 cm, B. 52 cm
Inv. 2008.434.

Bildauflösung:
394px x 394px

CHF 40.00

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Die grossformatige, lavierte Bleistiftzeichnung diente als Entwurf für ein historistisches Glasgemälde mit dem Allianzwappen Sevogel / von Eptingen. Wie auf der Schriftrolle am Fusse der Wappenträger zu lesen ist, handelt es sich um die Wappen des Basler Hauptmanns Henman Sevogel von Wildenstein und seiner aus einflussreichem lokalem Adelsgeschlecht stammenden Gemahlin Margaretha Anna von Eptingen. Die Jahreszahl 1444 verweist auf die Schlacht von St. Jakob an der Birs, in der Sevogel den Heldentod starb. Die Familie Sevogel besass seit 1388 die Burg Wildenstein im Baselbiet, die im Hintergrund des Scheibenrisses abgebildet ist. Gerahmt wird die Szene von einer reich mit Renaissancemotiven geschmückten Bogenarchitektur, deren Zwickel zwei Medaillons mit Profilbildnissen zieren. Die Köpfe sind dem Werk von Hans Holbein d. J. und Niklaus Manuel, genannt Deutsch, entnommen (vgl. Kopf des Paris auf Manuel Deutschs Gemälde «Das Urteil des Paris», Kunstmuseum Basel). Der Zeichner des Glasgemäldeentwurfs brachte somit jene berühmten Renaissancekünstler ins Bild, auf deren Werk er bei der Gestaltung seiner Zeichnung zurückgriff: Als Vorlage für die Grundkomposition des Blattes diente ihm ein Scheibenriss aus der Werkstatt Hans Holbeins d. J. (Basel, Kupferstichkabinett), auf dem zwei Eidgenossen ein leeres Wappen präsentieren. Diesem folgte er weitgehend bis in die Details des Architekturdekors, den Frucht- und Blattgirlanden sowie den wilden Männern, die am Fusse der Säulen kauern.

Auch die Figur des in der Mode des frühen 16. Jahrhunderts mit Halbharnisch bekleideten, bärtigen Wappenhalters ist identisch übernommen worden. Demgegenüber ist die Schildhalterin, eine Bürgersfrau mit Hauskleid und Haube, auf Scheibenrisse des Künstlers und Staatsmanns Niklaus Manuel Deutsch zurückzuführen, wo sie unterschiedliche Wappen, darunter auch das Eptinger-Wappen, präsentiert.

In Auftrag gegeben wurde der Entwurf der Wappenscheibe vermutlich von der Familie Vischer, die seit Ende des 18. Jahrhunderts Schloss Wildenstein zum Zentrum ihrer Kunstsammlungen machte. Sie erwarb eine Reihe historischer Glasgemälde, liess zeitgenössische Kopien älterer Wappenscheiben anfertigen und gab auch vereinzelt neue Gedenkscheiben in Auftrag, um frühere Schlossherren zu ehren. Zu letzteren gehört der vorliegende Entwurf mit den Wappen des berühmten Basler Hauptmanns. Einen weiteren Scheibenriss in der Sammlung des HMB liess vermutlich die Familie Vischer nach der Vorlage einer Basler Standesscheibe von 1514 herstellen (Inv. Nr. 2005.53., vgl. Jahresbericht 2005, S. 83). Hier erscheint ebenfalls die imposante Schlossanlage Wildenstein im Hintergrund des Wappenschilds.

Nachdem der Kanton Basel-Landschaft 1991 das Schloss erwarb, wurden die Glasgemälde im neu ausgestatteten Wohnturm und im Grossen Saal des Plantahauses aufgehängt, wo die Wappenscheibe Sevogel / von Eptingen im Turmerker zu sehen ist. Sie wird dem vorwiegend in Bern tätigen Glasmaler Johann Heinrich Müller (1822-1903) zugeschrieben, der sich - nach seiner 1857 erfolgten Rückkehr aus Nordamerika, wohin er 1853 ausgewandert war - auf die Herstellung von Wappenscheiben nach eigenen und fremden Entwürfen spezialisiert hatte. Der Glasmaler hat den Entwurf weitgehend getreu umgesetzt, wobei er einige Details, wie die Gestaltung des Oberwappens, der Standfläche der Figuren oder die Anordnung der Burg, modifizierte. Auch die mit Bleistift in den Scheibenriss eingetragenen Farbvor-gaben sind teilweise variiert worden.

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