Porträt des Lukas Schaub

Porträt des Lukas Schaub

Basel, wohl 3. Drittel 18. Jh. (Kopie nach Hyacinthe Rigaud)
Ölmalerei auf Leinwand
H. 81 cm, B. 64,5 cm
Inv. 1986.62.

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«Le Chevallier Schaub Bourgois de Bâle, quit a redue de grands services à sa Patrie” lautet die handschriftliche Angabe auf der Rückseite des Rahmens. Doch wer war der «Chevallier Schaub»? Lukas Schaub (1690–1758), Sohn eines Basler Notars, hatte an der Basler Universität Rechtswissenschaften studiert. 1711 trat er als Privatsekretär in den Dienst des englischen Ministers Sir Abraham Stanyan, der sich in diplomatischer Mission in Bern aufhielt, und ging mit ihm für anderthalb Jahre nach Mailand. Nach Ende von Stanyans Aufgabe auf dem Kontinent begleitete ihn Schaub nach England. Dort knüpfte er in kurzer Zeit wichtige Bekanntschaften und wurde bereits Ende des Jahres 1714 als Sekretär des neuernannten englischen Gesandten nach Wien gesandt. 1717 berief man ihn nach England zurück, damit er eine Anstellung als Sekretär des englischen Ministers Lord Stanhope antrat. In dessen Auftrag reiste er 1718 nach Paris und Wien, dann zweimal nach Madrid. 1720 wurde er für seine Verdienste vom englischen König Georg I. zum Ritter geschlagen. Im nächsten Jahr, als Höhepunkt seiner Laufbahn, sandte man «Sir Luke» nach Paris, wo er drei Jahre als Gesandter Englands wirkte. Die Tatsache, dass er Ausländer war, verhinderte das nicht, schränkte nur seinen Rang geringfügig ein – nicht aber sein Gehalt und seine Kompetenzen. Persönliche Gewandtheit, diplomatisches Geschick und die mittlerweile erlangten Beziehungen und Erfahrungen ermöglichten ihm diese ungewöhnliche Karriere. London blieb nach seiner Rückkehr aus Paris sein Lebensmittelpunkt bis zu seinem Tod im Jahre 1758, auch wenn er mehrfach noch in diplomatischen Missionen auf den Kontinent kam – so auch 1736/37 als Vermittler im Lachsfangstreit zwischen Basel und Frankreich. Als Dank für seinen erfolgreichen Einsatz wurde er danach ehrenhalber zum Mitglied des Kleinen und des Geheimen Rates ernannt und ihm wurde auf Lebenszeit die Nutzniessung des Lehens Ramstein gewährt.
In Basel hatte man seine Karriere stets aufmerksam verfolgt. Als im Jahr 1771, dreizehn Jahre nach seinem Tod, eine seiner Nichten das Porträt, das der französische Hofmaler Hyacinthe Rigaud (1659–1743) 1722 während Schaubs Pariser Aufenthaltes gemalt hatte, dem Rat als Geschenk anbot, war sein Ruhm noch längst nicht erloschen.
Man ging gern auf das Angebot ein, gab der Nichte ein grosszügig bemessenes Gegengeschenk und dem Porträt selbst einen Ehrenplatz in der Bibliothek im «Haus zur Mücke» am Münsterplatz. Heute gehört es dem Kunstmuseum Basel. Die hier gezeigte Kopie stammt aus Basler Familienbesitz und ist möglicherweise als Ersatz angefertigt worden, als man das ursprüngliche Porträt dem Rat schenkte. Wenn Georg Schmidt die höfische Eleganz des Originals mit den Worten: «Um das ganze Bild ist ein Duft von Parfüm und Puder» charakterisierte, so gilt das noch mehr für die etwas weich geratene Kopie.

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