Porträt des Jakob Christoph Mentzinger

Porträt des Jakob Christoph Mentzinger

Unbekannter Maler, 1614
Ölmalerei auf Leinwand, im Originalrahmen
H. 64 cm, B. 53 cm
Inv. 1893.358.

Bildauflösung:
3336px x 4044px

CHF 40.00

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52-jährig war der gelernte Basler Goldschmied Jakob Christoph Mentzinger (1562–1637), als 1614 dieses Porträt entstand. Gefertigt von einem unbekannten Künstler, präsentiert es den stolz blickenden, ergrauten Mentzinger in schwarzer Tracht mit Mühlsteinkragen; eine Schärpe legt sich schräg über seine Brust. Dass der Dargestellte zu dieser Zeit bereits seit mehreren Jahren in Fremden Diensten stand, ergibt sich erst beim Blick auf den bemalten Rahmen: Im unteren Bereich der Einfassung sind dem zentral angeordneten Familienwappen verschiedene Soldatenutensilien als Hinweis auf seine Tätigkeit beigegeben, während das Porträt auf den drei übrigen Seiten erläutert wird von der lateinischen Inschrift «IO. CHRISTOPH MENTZINGER ILLUSTRISSIMOR(UM) AC POTENTISSIMORUM REGUM SVETIORUM ET POLONOR(UM) M(IL)ES IN EXERCITU RUSSIAE MOSOCVIAE(QUE)» ( = Jakob Christoph Mentzinger, Söldner im Heer der weitum berühmten und sehr mächtigen Könige der Schweden und der Polen in Russland und in Moskau). Die fast identische Inschrift findet sich auf einem ebenfalls 1614 entstandenen Scheibenriss (Graphische Sammlung München), der Allianz und Ahnentafel Mentzingers darstellt.
Es ist nicht auszuschliessen, dass der Entstehung der beiden Objekte ein gemeinsamer Anlass zugrunde liegt.
Mentzingers militärische Karriere begann vermutlich nach dem Tod seiner Ehefrau Rosina (1567–1606).
Er trat aus nicht geklärten Gründen in schwedische Kriegsdienste und beteiligte sich als Offizier an den frühen Kämpfen des Ersten Polnisch-Russischen Krieges (1609– 1618). Nach Moskau kam er vermutlich mit den schwedischen Hilfstruppen, die der in der «Zeit der Wirren» zum Zar ausgerufene Wassili IV. im Jahr 1609 gegen die Polen zu Hilfe gerufen hatte. Als das schwedisch-russische Heer 1610 in der Schlacht von Kluschino geschlagen und Wassili IV. abgesetzt wurde, eroberten die Polen Moskau. Mentzinger, echter Reisläufer, der er war, wechselte offenbar die Seiten und nahm fortan als Überläufer auf der Siegerseite Sold. Wie lange sein polnisches Engagement dauerte und wann er in den venezianischen Dienst übertrat, ist nicht überliefert. Da weder auf dem Porträt noch auf dem Scheibenriss Venedig erwähnt ist, muss es aber wohl nach 1614 gewesen sein. Laut der Familienchronik, die sein Neffe Johann Jakob Mentzinger (1604–1668) verfasste, starb der noch immer in venetianischem Kriegsdienst stehende, mittlerweile 75-Jährige 1637 im Friaul.

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