Porträt des Dietrich Wettstein

Porträt des Dietrich Wettstein

Heinrich Beltz, Basel, 1830
Ölmalerei auf Leinwand
H. 87,5 cm, B. 71 cm
Inv. 1995.365.
Depositum Jenny Adèle Burckhardt-Stiftung, Basel.

Bildauflösung:
394px x 394px

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Die Basler Seidenbandfabrik Forcart-Weiss & Söhne, die im Württembergerhof domiziliert war, bemühte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, den nordamerikanischen Kontinent als Absatzgebiet zu erschliessen. Der seit 1801 in New York lebende Basler Handelsmann Isaak Iselin (1783–1841) war dort über viele Jahre Repräsentant der Firma. Versuche, den Absatz zu vergrössern und einen weiteren Agenten zu entsenden, scheiterten aber 1814/15 an den politisch schwierigen und veränderlichen Verhältnissen, so dass man zunächst von weiteren Expansionen absah.
In Mittel- und Südamerika begannen sich aber zu jener Zeit neue Absatzmärkte abzuzeichnen, da die Kolonialmächte Portugal und Spanien zunehmend an Einfl uss verloren. So hofften andere europäische Länder, wirtschaftlich in die Fussstapfen der früheren Kolonialmächte treten und im Überseehandel expandieren zu können.
Zur Erkundung der wirtschaftlichen Situation sandte die Firma Forcart-Weiss & Söhne daher im Jahr 1820 den jungen Dietrich Wettstein (1795–1833), Sohn von Rudolf Emanuel Wettstein und Valerie Iselin, nach Rio de Janeiro.
Nachdem er sich zunächst in St. Etienne, wo ebenfalls Seidenbänder produziert wurden, über die brasilianischen Vorlieben informiert hatte, reiste er nach Brasilien weiter.
Er fand dort einen hungrigen Markt vor, der grosse Absatzchancen versprach: «Les rubans sont l’article le plus demandé, on se les arrache!», berichtete er begeistert nach Basel. Doch diese Zuversicht war verfrüht. Als nämlich die nach seinen Angaben zusammengestellten Lieferungen im folgenden Jahr in Rio eintrafen, erwiesen sich die Basler Bänder als zu teuer und damit als nicht konkurrenzfähig gegenüber den aus Frankreich und Portugal importierten Waren. Das Experiment wurde als gescheitert eingestellt, und Dietrich Wettstein kehrte nach ungefähr anderthalb Jahren nach Basel zurück. Die Firma Forcart-Weiss & Söhne gab aber nicht auf; sieben Jahre später, unter mittlerweile einfacheren Bedingungen, konnte sie doch noch in Brasilien erfolgreiche Geschäfte tätigen.
Wettsteins gescheiterte Mission in Rio de Janeiro ist ein bezeichnendes Beispiel für die vielen Versuche Basler Fabrikanten, im Welthandel neue Ziele und Märkte zu erschliessen.
Dafür mussten Risiken eingegangen und viele, zum Teil vergebliche Versuche gemacht werden. Neben wirtschaftlichen Überlegungen, der zutreffenden Einschätzung des Modetrends und des jeweiligen Geschmacks erforderte es zudem eine geeignete wirtschaftspolitische Lage und eine Portion Glück, dass ein neuer Markt erschlossen werden konnte.
Die Inschrift «Er starb für’s Vaterland, den 3. August 1833» in der Kartusche an der oberen Rahmenquerleiste bezieht sich darauf, dass Dietrich Wettstein als Offi zier der Basler Miliz während der Trennungswirren fi el, die am 3. August 1833 ihren blutigen Höhepunkt erreichten. Beim Versuch, den Rückzug der unterliegenden Truppen des späteren Halbkantons «Basel-Stadttheil» abzuwenden, wurde er tödlich verwundet.

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