Pilgerzeichen mit dem hl. Beatus

Pilgerzeichen mit dem hl. Beatus

Wohl Berner Oberland, 15. Jh.
Blei, gegossen
H. 7 cm, B. 6,4 cm
Inv. 1922.204.

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Neben den bedeutenden Fernwallfahrtsorten Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela gab es auch zahlreiche, näher bei Basel gelegene Pilgerorte. Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz stand an erster Stelle das Kloster Einsiedeln; auch Saint-Maurice im Wallis, dessen Besuch oft eine Etappe auf dem Weg nach Rom war, hatte grosse Bedeutung.
Dazu kamen regionale Wallfahrtsorte, die man im Rahmen einer Tagesreise besuchen konnte.
Die Beatuskapelle am Thunersee, mehrere Tagesreisen von Basel entfernt gelegen, wurde 1231 erstmals erwähnt.
Der Legende nach soll der aus England stammende hl. Beatus im ersten nachchristlichen Jahrhundert den Helvetiern den christlichen Glauben verkündet und in der später nach ihm benannten Beatushöhle hoch über dem Thunersee als Eremit gelebt haben. Die Vita des Heiligen, vom Basler Franziskanermönch Daniel Agricola verfasst und von Urs Graf mit Holzschnitten illustriert, wurde 1511 bei Adam Petri in Basel verlegt. Die Vertreibung des Drachens ist die am häufigsten dargestellte Szene seiner Vita, und als charakteristische Darstellung ist sie auch Bildthema des Pilgerzeichens; die Beischrift «sant bat» auf dem Querbalken sichert die Zuordnung.
Pilgerabzeichen konnte man am jeweiligen Wallfahrtsort kaufen. Händler boten sie in grosser Zahl an, und über die heimkehrenden Pilger fanden sie weite Verbreitung.
Meist wurden die Abzeichen auf der Kleidung gut sichtbar angenäht, wozu Ösen an den Aussenkanten dienten. Meist bestanden sie aus Zinn, das sich deutlich von den dunklen Hüten und Mänteln der Pilgerreisenden abhob. Sie waren so geläufig, dass sie auf mittelalterlichen Darstellungen als kennzeichnende Attribute der Pilger dienten. Mit den Pilgerzeichen dokumentierte man deutlich sichtbar, welche Heiligtümer man aufgesucht hatte; zudem konnte man damit glaubhaft Wohlwollen und Unterstützung erbitten, auf die man als Pilger Anrecht hatte. Von der ursprünglich sehr grossen Zahl von Pilgerzeichen haben sich nur wenige erhalten. Von Einsiedeln ist überliefert, dass dort 1466 während des zwei Wochen dauernden Engelweihfestes 130 000 Pilgerzeichen verkauft wurden. Die Bedeutung der Beatushöhle als Pilgerort war weit geringer und dementsprechend auch die Zahl der dort verkauften Pilgerabzeichen.
Doch von den sicherlich vielen Tausend Exemplaren, die bis zum Ende der Wallfahrt um 1530 hergestellt wurden, sind heute nur zwei nachweisbar. Das Basler Abzeichen wurde 1922 beim Abbruch des Hauses Freie Strasse 79 gefunden. Dem unbekannten Basler, der dort im 15. Jahrhundert gelebt hatte, war das Pilgerzeichen wohl noch lange eine Erinnerung an seine Wallfahrt an den Thunersee.

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