Medaillon für eine Glückshaut

Medaillon für eine Glückshaut

Basel, 1635
Silber, vergoldet, graviert
H. 6,9 cm, B. 3,9 cm
Inv. 1995.323.

(Die Abbildung zeigt Vorder- und
Rückansicht des Objekts.)

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Für ein Glückskind
Das herzförmige Medaillon trägt auf einer Seite die Inschrift CHRISTO / PHORO BVRCK / HARDO / A. S. / MDCXXXV / DIE XXI MAR / TII / BASILEAE / NATO, und die andere Seite weist mit den Wappen Burckhardt und Frey auf die Eltern dieses Christoph Burckhardt, der am 21. März 1635 in Basel geboren wurde. Der Vater war der Gerichtsherr Christoph Burckhardt und die Mutter Sibylla Frey; das Neugeborene war das erste von dreizehn Kindern aus dieser Ehe.

Das Medaillon ist heute leer, enthielt aber der Überlieferung nach ursprünglich ein Stück zusammengelegter Haut. Dabei handelte es sich wohl um eine sog. Glückshaut, ein Teil der Embryonalhaut, der bei der Geburt am Kopf des Neugeborenen hängenbleiben kann. Da dieser Vorgang sehr ungewöhnlich ist, wurde er im Volksglauben für ein Zeichen gehalten. Der Haut selbst wurde eine wundersame, beschützende Wirkung zugeschrieben. Ein mit einer Glückshaut (auch Glückshaube) geborenes Kind galt lange als Glückskind, wie es im Märchen «Der Teufel mit den drei goldenen Haaren» der Brüder Grimm belegt ist: «Es war einmal eine arme Frau, die gebar ein Söhnlein, und weil es eine Glückshaut umhatte, als es zur Welt kam, so ward ihm geweissagt, es werde im vierzehnten Jahr die Tochter des Königs zur Frau haben», und noch bis weit ins 19. Jahrhundert hielt sich der – auch im übertragenen Sinne gebrauchte – Ausdruck «Er ist mit einer Glückshaube auf die Welt gekommen.» Die so hoch geschätzte Glückshaut wurde getrocknet und in kostbaren Medaillons aufbewahrt, die man den Kindern um den Hals hängte. Damit sind diese Medaillons den verschiedenen Amuletten und auch den Rasseln vergleichbar, von denen man sich magischen Schutz erhoffte (Kat.Nr. 29).

Doch schon früh meldeten sich kritische Stimmen, so im Schweizerischen Idiotikon, wo es 1697 hiess: «Man ist so torecht und abergläubisch dasz man disz fähl auftrocknet und als rarität aufbehalt, als wanns den kindern glück im leben bringe.» Christoph Burckhardt jedenfalls überlebte die gefährdeten Jahre der frühen Kindheit, verlegte sich auf den Handel und starb 1686 unverheiratet im Alter von 51 Jahren in Frankfurt am Main.

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