Lehrbrief der Zunft zu Metzgern
Lehrbrief der Zunft zu Metzgern - 1

Lehrbrief der Zunft zu Metzgern

Herstellungsort unbekannt, 1813 datiert
Auftraggeber: Zunft zu Metzgern, Basel (Lehrbrief)
Leonhard Pfannenschmied (Lehrbrief der Metzgernzunft vom 7. März 1813)
Stecher: Christian von Mechel-Haas (1737 - 1817)
Inv. 1891.7.

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Die Regelung der Lehrlingsausbildung gehörte zu den wichtigen Aufgaben aller Zünfte. Im Ancien régime zählte die Metzgernzunft zu jenen Zünften, die über das Lehrlingswesen zeitweise einen betont protektionistischen Kurs verfolgten und jede Konkurrenz ausschlossen. Am Ende des 17. Jahrhunderts beschloss sie, auf Jahre hinaus keine Lehrlinge mehr anzunehmen; selbst Metzgerssöhne waren von diesem Beschluss nicht ausgenommen. Die zunehmende Internationalisierung des Wirtschaftslebens zwang die Zünfte im Ancien régime, erfolgreich abgeschlossene Lehren zu bestätigen. Die sogenannten Lehrbriefe erfüllten diesen Zweck. Sie waren sich europaweit ähnlich und wurden international anerkannt. Diese Ausweise waren querrechteckig und massen etwa 40x50 cm. Die obere Hälfte zeigte das Wappen und eine Ansicht derjenigen Stadt, in der der Inhaber die Lehre besucht hatte. In der unteren Hälfte bestätigte ein beauftragter Schreiber handschriftlich die abgeschlossene Lehre. Diese Lehrbriefe waren mehr als nur Ausweise. Man rahmte sie ein und hängte sie mit Stolz im Geschäft auf.
Der schöne Lehrbrief der Basler Metzgernzunft zeigt oben die Ansicht der Stadt Basel beidseits des Rheins. Oben im Rahmen erscheint der Baselstab vor Äskulapstab und Füllhorn. Der Betrachter blickt von Norden nach Südosten rheinaufwärts und nimmt einen Standpunkt ein, der seit dem 16. Jahrhundert für die Darstellung der Stadt beliebt war. Links erkennt man die Kirche des ehemaligen Klosters Klingental. Am rechten Bildrand erscheint die Rheinschanze mit dem St. Johanntor. Im unteren Feld bestätigt der Schreiber der Metzgern-zunft, dass Heinrich Pfannenschmid seinen Sohn Leonhard der Zunft am 29. Juni 1809 als Lehrjunge übergeben habe. Leonhard habe die gesetzlich bestimmte Lehrzeit 1812 ordnungsgemäss vollendet und dann acht Monate lang bei Heinrich Feininger als Metzgerknecht gedient. Leonhard sei willens, sein Glück nun andernorts zu suchen. Sein Meister bezeuge, dass sich Leonhard fleissig, getreu und aufrichtig gegen jedermann erwiesen habe. Auf sein Bitten hin werde ihm dieser «Abschiedsschein zum Zeugnis seines Wohlverhaltens» ausgestellt und mit dem Zunftsiegel und der Unterschrift des Zunftschreibers versehen. «So beschehen in Basel, den 7. Merz 1813, Melchior Münch, Zunftschreiber.»

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