Hochzeitsgabe

Hochzeitsgabe

Süddeutschland oder Schweiz
Mitte des 18. Jahrhunderts
Spanholz, Wachs, Papier, Stoff,
Karton, Brokatpapier
L. 24,1 cm, B. 6,8 cm (Schachtel)
L. 55 cm (Gesamtmass in
geöffnetem Zustand)
Inv. 1892.157.

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CHF 40.00

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Nachwuchs gehört zur Ehe
In einer schmalen, der Form des Inhalts angepassten Spanholzschachtel liegt ein längliches Futteral, das oben mit den Wachsbüsten eines Mannes und einer Frau besetzt ist. Ihre Kleidung ist durch aufgeklebte Stoff- und Papierstückchen angedeutet; die Perücke des Mannes ist verloren.

Der Aufsatz mit den beiden Büsten ist nur locker in den unteren Teil, der mit Brokatpapier bezogen ist, hineingesteckt. Zieht man die beiden Teile auseinander, so offenbart sich eine Ansammlung von Miniaturgegenständen, die an einem Faden aufgereiht sind: Kinderwiege mit Säugling und silbernem Wiegenband, Windeln, Sauger, Breinapf, Schwamm und Wickelband. Diese Objekte, vor allem auch das leuchtend rote Herz zwischen ihnen, erlauben die Interpretation der beiden Büsten als Brautpaar. Die Gegenstände deuten auf den für das junge Paar erhofften Kindersegen, der als selbstverständliche Folge und als eigentliche Zweckbestimmung der Ehe angesehen wurde.

Die farbige, festliche Kleidung des Paares entsprach durchaus den Gepflogenheiten des 18. Jahrhunderts, da man damals noch keine weissen Hochzeitskleider kannte. Die sich verjüngende Form des Unterteils erinnert an die stilisierten Darstellungen von Wickelkindern, wie man sie häufig auf Modeln zum Ausformen von Backwerk oder Wachsfigürchen findet (Kat. Nr. 2). Gelegentlich kommen auf Modeln auch Darstellungen vor, die in dieser Form verbundene Brautpaare zeigen, was als Ausdruck ihrer engen und untrennbaren Zusammengehörigkeit zu deuten ist. Gedanken dieser Art mögen auch die Formgebung dieses ungewöhnlichen Objektes beeinflusst haben. Das Ganze diente wohl als humorvolle und anspielungsreiche Gabe zu einer Hochzeit.

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