Goldene Taschenuhr von John oder Edward Ellicott, London
Uhren und wissenschaftliche Instrumente

Goldene Taschenuhr von John oder Edward Ellicott, London

London, wohl 1760-70
Hersteller: John oder Edward Ellicott
Goldschmied: Henry Manly
Gold, teilweise durchbrochen
Messing, teilweise vergoldet; Stahl, teilweise gebläut
Glockenbronze; Email; Rubin; Glas
H. 6,8 cm, B. 5 cm
Inv. 2007.341.

Bildauflösung:
394px x 394px

CHF 40.00

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Diese Taschenuhr mit einem goldenen Repoussé-Gehäuse weist an mehreren Stellen die Signatur ihres Herstellers auf. Die Bezeichnung «Ellicott London» ist sowohl auf der schlichten Abdeckung des Uhrwerks, als auch auf der darunter liegenden Platine eingraviert. Dabei handelt es sich entweder um den bedeutenden englischen Uhrmacher John Ellicott (1706-1772) oder seinen Sohn Edward, der um 1760 den Betrieb seines Vaters übernahm. In der For-schung wird John Ellicott als der Erfinder des Kom-pensationspendels gerühmt, der sehr früh die von George Graham entwickelte Zylinderhemmung übernahm und weiterentwickelte. Auch diese Uhr weist diese Art von Hemmung auf, in der die Zähne des Steigrades in eine hohle Zylinderachse der Unruhe greifen. Durch die Hersteller-Nummer 5114 ist die Taschenuhr in die Jahre zwischen 1760 bis 1770 zu datieren. Die eigentliche Uhr - deren Rückseite einen äusserst feinen durchbrochenen Dekor aufweist – ist im schützenden Übergehäuse untergebracht, das in kunstvoller Treibarbeit in Gold gearbeitet ist. Unten rechts ist darauf die kaum erkennbare Signatur «Manly» eingraviert. Auch hier handelt es sich um keinen unbekannten Künstler: das British Museum und das Victoria & Albert-Museum besitzen mehrere getriebene Gehäuse von Henry Manly. Er wird als einer der talentiertesten Goldschmiede seiner Zeit gelobt, die sich auf das Treiben von Uhrgehäusen spezialisiert hatten.

Getriebene Gehäuse waren in England in der Mitte des 18. Jahrhunderts bis etwa 1770 überaus beliebt und griffen oft Themen aus der antiken Mythologie oder Geschichte auf. Dabei schufen die Goldschmiede aus einem anfänglichen Flachrelief immer tiefer eingeschnittene Dekore, so dass sich die Figuren beinahe vollplastisch vom Grund abhoben. Dass dies für ein Objekt wie eine Taschenuhr, die man täglich mit sich trug, nicht gerade die zweckmässigste Lösung war, zeigen mehrere Deformationen am Übergehäuse dieser Uhr. Das relativ dünne Goldblech ist an den erhabensten Stellen, wie beispielsweise den Köpfen der Figuren, leicht eingedrückt.

Die Szene stellt wohl ein Ereignis aus dem Zweiten Punischen Krieg dar, in dem Scipio Africanus die spanische Stadt Neu-Karthago eroberte (209 v. Chr.). Dem römischen Feldherrn wurde als Beute ein Mädchen von aussergewöhnlicher Schönheit zugeführt. Als dieser aber vernahm, dass die junge Frau bereits versprochen war, liess er ihren Verlobten Allucius kommen und gab sie ihm zurück. Auch auf das Lösegeld, das ihm aus Dankbarkeit bei dieser Gelegenheit überreicht wurde, verzichtete er.

Gewöhnlich wird Scipio erhöht auf einem Thron sitzend dargestellt. Er beherrscht zusammen mit dem Mädchen oder ihrem Verlobten, die ihren Dank be-zeugen, die Szene. Oft präsentieren Sklaven mit entkleidetem Oberkörper prächtige Gefässe - Kannen, Vasen und Schalen aus Edelmetall. Die bei Livius und Polybius geschilderte Begebenheit gilt als Akt des Grossmutes und der Menschlichkeit, was zahlreiche, auch namhafte Künstler - darunter etwa Veronese, van Dyck, Poussin oder Tiepolo - zur Verarbeitung des Themas veranlasste. Die Szene auf dem Übergehäuse bezeugt die Güte des Herrschers, der gegenüber seinen Untergebenen Schonung walten lässt. Der Verzicht auf das reizvolle Mädchen und auf die ihm dargebotenen Schätze betonen Scipios Grösse. Im Barock und besonders zur Zeit Ludwigs XIV. war diese Thematik sehr beliebt. Die Wahl eines solchen Bildmotivs gab den Auftraggebern die Möglichkeit zur Selbstverherrlichung, indem sie ihren eigenen Edelmut bekundeten.

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