Gedenktafel an den Sturz des Reinhard Harscher

Gedenktafel an den Sturz des Reinhard Harscher

Basel, nach 1712
farbloses Glas, mit Goldfarbe bemalt
blaue Deckfarbe
vergoldeter Holzrahmen
H. 31,5 cm, B. 21,2 cm
Inv. 1940.17.

Bildauflösung:
394px x 394px

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Kindlicher Übermut mit gutem Ausgang
In Erinnerung an den spektakulären Fall seines jüngeren Bruders von der Pfalzmauer des Basler Münsters herab hat Nicolaus Harscher (1683–1742) diese Tafel anfertigen lassen. Aus jugendlichem Leichtsinn («Auß Jungfrevlem beginnen») hatte der damals zwölfjährige Reinhard Harscher (1686–1766) am 14. September 1698 auf der Brüstung balanciert und war dabei in die Tiefe gestürzt.

Seine in deutschen Versen und in Ich-Form verfasste Schilderung bildet den Hauptteil der Inschrift, die in goldenen Buchstaben auf Glas gemalt und mit einem blauen Hintergrund unterlegt ist. Während sie in deutscher Frakturschrift mit kalligraphischen Verzierungen geschrieben ist, erscheinen die darunter stehenden lateinischen Verse gleichen Inhalts in lateinischen Kapitalien – eine Zuordnung von Sprache und Schrifttyp, wie sie auch die zeitgleichen Schreibbücher lehren.

Die Tafel erinnert an Votivtafeln, die in katholischen Wallfahrtsstätten als Dank für die Hilfe eines als wundertätig verehrten Gnadenbildes aufgehängt wurden. Im Unterschied dazu wird hier jedoch kein Vermittler vorausgesetzt, sondern es ist «Gottes Sorg» direkt, die den Knaben rettete. Während in katholischen Votivbildern der bildlichen Schilderung besonderes Gewicht zukommt, beschränkt sich die reformierte Tafel ganz auf die aufwendige, zweisprachige Inschrift. Dankestafeln dieser Art sind im reformierten Umfeld ausserordentlich selten. Über ihren ursprünglichen Anbringungsort ist nichts bekannt.

Nicolaus Harscher nennt in der Unterschrift seine akademischen Grade (ELOQ. P. P. MED. D.), wodurch deutlich wird, dass die Tafel erst einige Jahre nach dem so glimpflich verlaufenen Sturz seines Bruders angefertigt wurde.

In Medizin doktorierte er 1704, und 1707 wurde er zu der «Professione Historiarum & Eloquentiae» an die hessische Universität Marburg berufen. Erst danach, vermutlich aber erst nach 1712, als er nach Basel zurückkehrte, um fortan hier als Professor der Eloquenz zu wirken, hat er diese Tafel in Auftrag gegeben. Die Erinnerung an diesen spektakulären Vorfall blieb lange Zeit lebendig: Noch in der 1788 erschienenen «Beschreibung der Münster-Kirche zu Basel» wird der Unfall erwähnt und die zweisprachige Inschrift der Tafel vollständig wiedergegeben.

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