Familienbild Franz und Elisabeth Tripet-Locher

Familienbild Franz und Elisabeth Tripet-Locher

Nicolaus Drexel, Basel
signiert und 1817 datiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 64,5 cm, B. 71,5 cm
Inv. 1936.94.

Bildauflösung:
394px x 394px

CHF 40.00

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Familie in ernsten Zeiten
In einem auffallend kahlen Raum ist die neunköpfige Familie Tripet um einen Tisch versammelt, nur der Vater und der älteste Sohn sitzen. Johann Jakob Franz Leonhard Tripet (1781–1817) hatte sich nach einer Kaufmannsausbildung in Frankfurt in der in Kleinbasel ansässigen Spezereihandlung Otto verdient gemacht und 1811 die sechs Jahre ältere Inhaberswitwe Elisabeth (Otto-) Locher geheiratet. Die Familie wohnte 1815 bei den Geschäftsräumen der Spezereihandlung in der Rheingasse 36.

Die drei grösseren Kinder, in der Mitte die bereits verheiratete und offensichtlich als Schwangere dargestellte neunzehnjährige Tochter Veronika, die kleine neunjährige Elisabeth links neben ihr und der siebenjährige Emanuel auf dem Stuhl, sind Kinder aus der ersten Ehe der Mutter, die vier jeweils eng beim Vater und der Mutter versammelten Kleinen sind die Kinder des dargestellten Elternpaares. Der Säugling Franz Adolf auf dem Arm der Mutter wurde am 4. November 1816 geboren. Wenige Monate später, im April 1817, also im Entstehungsjahr des Familienbildnisses, starb der Vater, erst 35-jährig, an Lungenschwindsucht. Sein Tod hatte sich, wie die Leichenrede festhält, schon sechs Monate vorher durch Blutspeien und Lähmungen angekündigt.

Die Familienmitglieder halten im Bild voneinander Abstand und wirken – abgesehen von den anhänglichen Kleinsten – im leeren Raum isoliert. Umso mehr fällt die sinnige Geste auf, mit der die werdende Mutter sich ihrem jüngsten Stiefgeschwister zuwendet.

Das Familienbild entstand in einer Zeit allgemeiner Notlage, als die Bevölkerung in Basel nach der Missernte des Jahres 1816 unter Teuerung und Hungersnot zu leiden hatte. Offen bleibt, ob die kühle Atmosphäre im Bild damit oder – wahrscheinlicher – mit der Krankheit des Familienoberhaupts zusammenhängt. Jedenfalls spiegeln die kärgliche Einrichtung und das Fehlen von Spielzeug die soziale Zugehörigkeit zum Mittelstand wider. Die Kinder fanden später ihren Weg in angesehene Berufe oder zu entsprechenden Ehepartnern, so als Pfarrfrau, Müller und Ratsbote, Wirt sowie Lehrer an der Töchterschule.

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