Drei nackte Krieger mit und ohne Lanze

Drei nackte Krieger mit und ohne Lanze

Wohl Frankreich, 4. Viertel 16. Jahrhundert
Bronze
H. 34,1 cm (47,5 cm mit Lanze), H. 29,1 cm (35,4 cm mit Sockel), H. 29 cm (43,2 cm mit Sockel und Lanze)
v. l. Inv. 1904.2290.b., 1904.2290.a., 1904.2290.

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Ein nackter, nur mit einem Helm bekleideter Krieger steht in ausgeprägtem Kontrapost auf einer kleinen Plinthe. Den Kopf wendet er gegen den erhobenen rechten Arm, den linken hält er leicht angewinkelt an die Hüfte. Das in der Abbildung mittlere Exemplar ist unvollständig auf uns gekommen. Die beiden anderen halten einen Speer und einen Säbel. Nur beim rechten Exemplar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese original und keine späteren Ergänzungen sind, worauf der gleiche helle Bronzeton sowie die korrespondierenden ornamentalen Verzierungen bei Helm und Säbelknauf hindeuten. Die mittlere und rechte Figur sind zwar modellgleich, die rechte jedoch in der nachträglichen Bearbeitung weit überlegen. Die linke unterscheidet sich von den beiden anderen durch die Form des Helms und ihre grotesk wirkende Physiognomie mit fliehendem Kinn. Ihre Plinthe ist in einen annähernd quadratischen, auf allen vier Seiten mit Maskaronen verzierten Bronzesockel eingelassen. Bemerkenswert ist, dass die zwar in verhältnismässig zahlreichen Repliken bekannte Figur im Bestand des Faeschischen Museums gleich dreimal vorhanden ist.
Die Benennung des nackten Kriegers bereitet Schwierigkeiten, zumal es Varianten gibt, die in der erhobenen Rechten einen am Bein baumelnden Säugling halten, was ikonografisch auf den Bethlehemitischen Kindermord oder aber das Urteil Salomos hinweisen kann. Eine im Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museum bewahrte Variante mit leerer Hand wurde in den Inventaren des 18. Jahrhunderts als Perseus gedeutet. Tatsächlich befand sich 1993 im Londoner Kunsthandel ein Exemplar mit abgeschlagenem Kopf in der Rechten, ohne dass dieser zweifelsfrei als Haupt der Medusa zu identifizieren wäre (Berger/Krahn 1994, S. 304f). Am interessantesten und womöglich aufschlussreichsten erscheint die Vermutung, es handle sich bei unserem Modell um einen Reflex der kolossalen Brunnenfigur eines Mars, die Benvenuto Cellini (1500–1572) für Fontainebleau schaffen sollte und die nie über das Modellstadium hinaus gedieh. Auf jeden Fall ist überliefert, dass Cellinis Mars sowohl einen Speer als auch einen Säbel in seinen Händen hielt. Die rechte der drei Basler Figuren, sicher eine der schönsten erhaltenen, scheint stilistisch durchaus zur späten Schule von Fontainebleau zu passen.

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