Alabasterrelief: Jona und der Walfisch
Alabasterrelief: Jona und der Walfisch - 1

Alabasterrelief: Jona und der Walfisch

Tobias van Tissenaken († 1624)
Mecheln, 1. Viertel 17. Jh.
Alabaster, teilweise vergoldet
H. 12,7, B. 9,9 cm (Relief)
H. 22,2, B. 19,2 cm (Rahmen)
Inv. 1870.1176..

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Das Relief gehört zu einer Serie von neun gleichartigen Alabastertafeln mit biblischen Szenen, die 1867 von Maria LeGrand (1796–1886) an die Mittelalterliche Sammlung geschenkt wurde. Aus dem Alten Testament sind der Sündenfall, Rebekka am Brunnen, Susanna und die beiden Alten, Daniel in der Löwengrube und die Geschichte des Jona dargestellt, aus dem Neuen Testament die Speisung der Fünftausend, die Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel und die Bekehrung des Saul sowie – in Anspielung auf Christus – Orpheus inmitten der Tiere. Da die Familie LeGrand im 17. Jahrhundert aus den spanischen (katholischen) Niederlanden über Dordrecht nach Basel geflüchtet war, wo Daniel I. LeGrand 1640 das Bürgerrecht erhielt, könnten die Reliefs schon damals aus der Region ihres Ursprungs an den Oberrhein gelangt sein.
Die Alabastermanufaktur in Mecheln hatte sich seit dem 16. Jahrhundert entwickelt und florierte bis weit in das 17. Jahrhundert. Zur Befriedigung der grossen Nachfrage hatten sich dort zahlreiche «alabasterwerkers» etabliert.
Die erst 2004 publizierten Basler Exemplare erweitern die Kenntnisse zum OEuvre eines der Protagonisten der Mechelner Produktion: Von den neun Reliefs sind vier mit dem Monogramm von Tobias van Tissenaken (gest. 1624) versehen, der in Mecheln eine eigene Bildhauerwerkstatt betrieb, als Lehrmeister tätig war und 1596–1618 acht Lehrlinge ausbildete. Von ihm waren bisher zahlenmässig am meisten, nämlich 34 monogrammierte Mechelner Alabasterwerke bekannt. In der Regel wurden diese wie im Falle der Serie im Historischen Museum Basel in Rahmen mit einem auffälligen Prägeornament aus vergoldetem Pappmaché montiert. Die Reliefs wurden als eigenständige Kunstwerke und geschätzte Sammlerstücke gehandelt, gelegentlich findet man sie auch als Bildschmuck in Möbelstücke eingelassen. Sie konnten dabei ebenso der häuslichen Andacht dienen.
Als Vorlagen der Mechelner Reliefs lassen sich die zahlreichen Bibelillustrationen nachweisen, wobei der Grad der Abhängigkeit variiert. So besteht z. B. grosse Ähnlichkeit zwischen unserem Relief und der entsprechenden Darstellung in der 1564 in Frankfurt gedruckten Biblia Das ist: Die gantze Heylige Schrifft/Teutsch von Jost Ammann, die 148 solcher Illustrationen enthält. Die Geschichte aus dem Buch Jona im Alten Testament ist in zwei Szenen aufgeteilt: Im Hintergrund wird Jona, der auf der Flucht vor Gott in einen Sturm geriet und von der Besatzung als Auslöser des Unheils erkannt wurde, aus dem Schiff ins Meer geworfen. Im Vordergrund spuckt ihn der Walfisch an Land, von wo der Geläuterte nach Ninive ging und als Prophet wirkte.

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