Glasmalerei

Die Glasmalerei gilt als national bedeutender Kunstzweig der Schweiz. Die Stadt Basel war nicht nur ein blühendes Zentrum der Kabinettglasmalerei, sondern sie bewahrt auch einen bemerkenswerten Bestand kirchlicher und profaner Glasbildkunst neuerer Zeit (ca. 1830 - 1930) noch in situ. Die Glasmalerei gehört daher zu den wichtigen Sammlungsgebieten des Historischen Museums Basel. Sie umfasst über 900 Glasgemälde und Scheibenfragmente aus acht Jahrhunderten, von denen über 200 Objekte im Museum für Geschichte dauerhaft ausgestellt sind.

Vier grössere Komplexe sind zu unterscheiden:

  • Die kirchliche Glasmalerei mit Beispielen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. 
  • Die Kabinettglasmalerei mit überwiegend profanen Scheiben, beginnend in der Zeit vor der Reformation und reich vertreten im 16. und 17. Jahrhundert, bis hin zu Beispielen der Wiederbelebung der Gattung in Basel seit etwa 1830. 
  •  Die grosse homogene Gruppe von 107 neu angefertigten Wappenscheiben, die Basler Familien anlässlich der Eröffnung des Museums 1894 stifteten. 
  •  Als vierte Gruppe schliesslich rund 100 Musterscheiben (Lehrgang für Glasmalerei) und Kopien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die 1989 aus der Sammlung des Gewerbemuseums übernommen wurden (seit 1990 als Dauerleihgabe im Vitromusée Romont).

Die profane Glasmalerei, die mit der in der Schweiz ausgeprägten Sitte der Fenster- und Scheibenstiftungen zusammenhängt, stellt den Hauptanteil der Sammlung. Die kleinformatigen, auf Nahsicht ausgerichteten Glasbilder gehörten als Kabinettscheiben zur Ausstattung von Burgen, Rathäusern, Zunftstuben, Schützenhäusern und privaten Wohnstuben. Sie sind dementsprechend in der Form von Standesscheiben, Zunft- und Gesellschaftsscheiben sowie bürgerlichen Wappenscheiben vertreten. Allein rund 100 Beispiele in der Sammlung können Basler Meistern der Spätrenaissance und Barockzeit zwischen 1550 und 1650 zugewiesen werden, ein fruchtbarer Zeitraum, in dem 55 Glaser und Glasmaler nachweislich in der Stadt tätig waren. Dass die Gattung im 16. Jahrhundert unter dem Einfluss Hans Holbeins d.J. in Basel zu höchster Qualität gelangt war und im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert mit den Künstlern Hieronymus Hess (1799-1850) und Burkard Mangold (1873-1950) bemerkenswerte Ausläufer hat, belegen Einzelstücke der Sammlung. Der Bestand wird durch Scheibenrisse und Entwürfe in der Grafischen Sammlung des Museums ergänzt.

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