Kutschen und Schlitten

Schöne Pferde, Kutschen und Schlitten hatten in den wohlhabenden Basler Häusern seit früher Zeit bis ins 20. Jahrhundert einen hohen Stellenwert. Vor dem Aufkommen der Eisenbahnen verwendeten die Basler Seiden und Handelsherren die Kutschen für ihre zahlreichen, ausgedehnten Geschäftsreisen. Im Eisenbahnzeitalter dienten die Kutschen nur noch dem Nahverkehr und dem sportlichen Vergnügen der Damen und Herren der reichen Oberschicht. Zwar wurden nach der Jahrhundertwende zunehmend Autos angeschafft, den entscheidenden Einschnitt brachte aber der 1. Weltkrieg, als die meisten Privatpferde für die Armee eingezogen wurden. Der rasche gesellschaftliche Wandel während und nach dem Krieg liess die meisten Luxusgespanne in Basel verschwinden. Die herrschaftlichen Villen mit Parks, Stallungen und Wagenremisen wurden durch Wohnblocks und Geschäftshäuser verdrängt. Heute finden sich in der Stadt nur noch wenige architektonische Zeugen der Basler Pferdekultur.

Die Basler Droschkenanstalten betrieben nebst ihren Droschken auch die Omnibusse der Hotels, die Pferde-Tram-Omnibusse, die Krankenwagen usw. Die beiden grössten Droschkenanstalten, die Firmen Gebrüder Keller und Gebrüder Settelen, genossen auch ausserhalb Basels einen ausgezeichneten Ruf. Von 1881 bis 1895 waren der Centralbahnhof und der Badische Bahnhof in Basel durch eine schienenlose Pferdestrassenbahn, einen Pferde-Tram-Omnibus, verbunden. Dieser wurde 1895 durch die elektrische Strassenbahn abgelöst. 1936 verkehrte in Basel die letzte Pferdedroschke, und 1955 stellte die Post die Paketzustellung mit pferdebespannten Fourgons ein.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden dem Historischen Museum Basel einzelne alte Schlitten aus dem 17. und 18. Jahrhundert geschenkt. Nach 1930 kamen zunehmend Kutschen dazu. Der Bestand ist seit der Eröffnung des Kutschenmuseums in den Merian Gärten 1981 laufend gewachsen. Das später zum Museum für Pferdestärken umbenannte Ausstellungsgebäude lockte bis Ende September 2016 zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Heute stehen die Fahrzeuge zu Forschungszwecken zur Verfügung. Eine repräsentative Auswahl an Objekten aus der Kutschen- und Schlittensammlung sowie eine Dokumentation zur Geschichte des Museums werden der Öffentlichkeit auf digitalem Weg zugänglich gemacht.

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