Die neue Präsentation mittelalterlicher Kunst im Historischen Museum Basel bietet spannende Einblicke in die Allgegenwart des christlichen Glaubens. Erlesene Bildwerke des 11. bis 16. Jahrhunderts entfalten im Chor der Barfüsserkirche ihre Schönheit und spirituelle Kraft.

Woran glauben wir heute?

Welche Bedeutung haben religiösen Vorstellungen aus dem Mittalalter in unserer Gegenwart?
Welche Rolle spielen aktuell noch Heilige, Jesus und Gott?

Der neu eingerichtete Chor der ehemaligen Franziskanerkirche zeigt eindrückliche Denkmäler des Mittelalters. Dabei berichten Bildwerke aus Basel, dem Gebiet des Oberrheins, der Schweiz und Süddeutschlands von Glaubenswelten, in denen die Kirche das tägliche Leben dominierte. Hochkarätige Objekte verdeutlichen die formalen Veränderungen ebenso wie den Wandel von Funktionen. Sie geben Einblick in Ausstattung und Bildprogramme mittelalterlicher Kirchen und verweisen auf liturgische Zwecke und religiöse Vorstellungen. Wichtige Motive der mittelalterlichen Kunst wie der Kruzifixus und das Marienbild werden thematisiert und führen uns zu Liebe, Leid und Hoffnung, aber auch zu Glanz und Elend einer längst vergangenen Zeit. Damit erschliesst die Ausstellung Zusammenhänge und religiöse Werte, die vielleicht in unserer vorwiegend konfessionslos gewordenen Gesellschaft fremd geworden sind.

Die Geschichte des Calancaaltars:

Das Marienleben auf dem Calancaaltar:

Das grösste Exponat der Ausstellung, der 1512 entstandene Marienaltar aus Santa Maria in Calanca (Kanton Graubünden), wird in zwei Animationsfilmen neu erschlossen, die das Büro Berrel Gschwind im Auftrag des Historischen Museums Basel produzierte.

Die neue Präsentation und die Restaurierung einiger gezeigter Werke wurden ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung von:

Peter und Simone Forcart-Staehelin
Riehen Bowmore Foundation
Vaduz L. & Th. La Roche Stiftung Basel
Ulrich und Klara Huber-Reber-Stiftung
Basel Verein für das Historische Museum Basel
Dr. Urs D. Gloor Basel
Iseli Optik AG Basel
sowie private Gönner

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Objekte

Segnender Christus
Zentralschweiz (?), Ende des 12. Jh.
Herkunft: Steinen (Kanton Schwyz), Beinhauskapelle
Pappelholz, mehrfach überfasst
H. 143 cm, B. 35,7 cm, T. 33,6 cm
Inv. 1897.187.

Die Skulptur wurde in den 1890er Jahren im Beinhaus von Steinen unter einem Berg von Knochen und Schädeln entdeckt. Die Ortschaft liegt an der Gotthard-Route. Das Pappelholz für die Figur wurde vermutlich importiert. Es stammt von einem Baum, der um 1160 gefällt wurde. Füsse und segnende Hand wurden später ersetzt. Mehrere Farbschichten an Kopf und Gewand belegen, dass die Christus-Figur über lange Zeit in Gebrauch war. Am Kleid sind kleine rautenförmige, in Pastigliatechnik (in Gips ausgefertigte Reliefs) ausgearbeitete plastische Muster zu erkennen. Sie zeigen unter anderem die heraldischen Zeichen einer Lilie und eines Adlers – das Wappentier der Familie Stauffacher in Steinen, deren Vorfahre einer der drei legendären Männer des Rütlischwurs gewesen sein soll.
Neusten Erkenntnissen zufolge hielt Christus einst einen Kreuzesstab in der Hand. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um das Osterkreuz, vielleicht mit einer Siegesfahne. Dies könnte darauf hindeuten, dass die segnende Figur einen Auferstehungschristus darstellte. Christus  besiegte den Tod, indem er am Ostersonntag aus dem verschlossenen Grab stieg.

 

Opens external link in new windowChristus von einem Kruzifix
Süddeutscher Meister, um 1500
Lindenholz (?), geschnitzt, gefasst
H. 70 cm, B. 22,5 cm
Inv. 2002.275.

Kruzifixe, also Darstellungen des ans Kreuz genagelten Christus, führen eindrücklich Jesu Opfertod vor Augen. Sie sind daher das zentrale Bildthema im christlichen Kult und zählen zu den wichtigsten Ausstattungsstücken mittelalterlicher Kirchen. Sie standen auf den Altären, hingen häufig in monumentaler Ausführung im Chorbogen der Kirchen und wurden – auf Stangen montiert – bei Prozessionen vorangetragen. Als Weg-, Gebets- oder Grabkreuze standen sie den Gläubigen in verschiedensten Lebens- und Alltagssituationen vor Augen.
Ab dem Hochmittelalter wurde der Gekreuzigte wie hier als gebrochener Mensch dargestellt. Der Betrachter sollte so das Erlösungsversprechen erkennen, das ihm Gott mit dem Opfer seines Sohnes Jesus gemacht hatte. Der schmerzverzerrte Gesichtsausdruck, der stark gewölbte Thorax und die wulstartig vom Nagel zusammengeschobene Haut verdeutlichen die Last des leidenden Körpers.
Wie eine mikroskopische Untersuchung ergab, war die Oberfläche der sehr fein geschnitzten Figur ursprünglich holzsichtig. Augen, Mund und Dornenkrone sowie eine Blutspur aus der Seitenwunde waren farbig akzentuiert, vermutlich ebenso die übrigen Wundmale. Das Lendentuch war vergoldet. Später wurde der Körper mehrfach vollständig überfasst. Daraus ist zu schliessen, dass sich der Kruzifix seit seiner Entstehung über lange Zeit in kultischem Gebrauch befand.
Etwa 1920 soll der Christus von Rudolf Kaufmann im Handel erworben worden sein, der ihn seiner Schwiegertochter Annie Kaufmann-Hagenbach (1908-2002) schenkte. Aus ihrem Nachlass kam die Figur an das HMB, zusammen mit der Büste eines heiligen Johannes (Inv. 2002.274.). Die Basler Kunsthistorikerin hatte 1938 mit einer umfangreichen Arbeit über die „Spätgotische Plastik in der Schweiz“ in Basel promoviert.

 

      

Opens external link in new windowAltarkreuz
Bodenseegebiet (Konstanz?), um 1250–1270
Herkunft: Kloster St. Katharinental (Kanton Thurgau)
Buchenholz, Leinwand, Pergament, Originalfassung, Edelsteine, Gemmen, Glas
H. 99 cm, B. 66 cm
Inv. 1905.70. Geschenk Karl Bachofen-Burckhardt, Basel

Dieses Altarkreuz gehört zu den ganz wenigen nördlich der Alpen entstandenen Kruzifixen des 13. Jahrhunderts, bei denen Christus gemalt ist. Es greift italienische Vorbilder auf. Die menschliche Darstellung Jesu mit bemitleidenswertem Gesichtsausdruck, geschlossenen Augen und zusammengesunkenem, leblosen Körper verdeutlicht das damals verbreitete Interesse an der Menschlichkeit des Gekreuzigten. Der Abrieb auf dem Bauch lässt vermuten, dass das Kreuz intensiv verehrt, dabei berührt und geküsst wurde. Form, Plastizität und Vergoldung des Kreuzes imitieren Goldschmiedearbeiten.
Der hohe künstlerische Anspruch der Malerei, die Edelsteine, darunter ein Karneol mit Jupiter-Ammon und eine blaue Gemme mit Hirsch bezeugen den hohen Stellenwert des Kruzifixes. Auf der bemalten Rückseite sind die Schemen des Lammes Gottes als Symbol von Christi Opfer erkennbar.

  

 

Opens external link in new windowPalmesel
Seeschwaben, um 1500
Lindenholz (?), geschnitzt, farbig gefasst
H. 190, B. 96, L. 112 cm
Inv. 1898.275.
Die Restaurierung 2017/18 wurde ermöglicht dank der Unterstützung der Ulrich und Klara Huber-Reber-Stiftung, Basel.

Palmesel wurden am Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, in einer Prozession durch die Strassen gezogen. Der Brauch basiert auf der biblischen Überlieferung von Jesu Einzug in Jerusalem. Das Volk legte Palmzweige auf seinen Weg und empfing ihn wie einen König. Auf dem Wagen sind gemalte Zweige erkennbar. Weltweit sind nur noch rund 60 solcher Palmesel aus dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten. Davon vereint die Sammlung des Historischen Museums Basel die bemerkenswerte Zahl von fünf Exemplaren, darunter drei aus dem Oberrheingebiet.
Nach seiner künstlerischen Qualität wie nach der Vollständigkeit beurteilt, handelt es sich bei diesem Palmesel aus Kreuzlingen am Bodensee um das herausragendste Objekt. Es entstammt stilistisch demselben Umkreis wie das vergleichbare Exemplar im Rosgartenmuseum in Konstanz.

 

    

Opens external link in new windowFlügelaltar
Memmingen (Oberschwaben), 1512 datiert
Ivo Strigel (um 1430–1516) und Werkstatt; Christian Scheller († 1529) und Werkstatt
Herkunft: Santa Maria in Calanca (Kanton Graubünden), Kirche Santa Maria Assunta
Lindenholz, Originalfassung
H. 375 cm, B. 567 cm (geöffnet)
Inv. 1887.95.

Der monumentale Flügelaltar ist ein eindrückliches Zeugnis für den Marienkult. Er stammt aus der Kirche von Santa Maria im Calancatal, die der Mutter Gottes geweiht war. So zeigt die Festtagsseite im Zentrum die stehende Maria als Himmelskönigin umgeben von Szenen aus ihrem Leben. Das Werk gehört zu den herausragenden spätgotischen Altaraufsätzen, die aus dem schwäbischen Raum in die Schweiz importiert wurden. Die Werkstatt des Unternehmers Ivo Strigel exportierte zahlreiche Flügelaltäre nach Graubünden. Der Calanca-Altar ist nach dem Hochaltar im Dom zu Chur der grösste und bedeutendste Schnitzaltar auf Schweizer Boden. 1887 erwarb die Mittelalterliche Sammlung, die Vorgängerin des Historischen Museums Basel, das Werk von der Kirchengemeinde.
An den meisten Tagen des Jahres waren die Flügel des Calanca-Altars geschlossen. Zu sehen waren dann gemalte Darstellungen von Heiligenfiguren. Die Rückwand des Schreins zeigt die vier Evangelisten. Zwischen ihnen präsentiert der Erzengel Michael die Künstlerinschrift: «Im Jahre 1512 wird dies Werk, wie man es erblickt, diesem heiligen Bau eingefügt durch Hand und Fleiss des Ivo mit Namen Strigel, Bürger und Einwohner der ausgezeichneten Stadt Memmingen, die dem Kaiser untertan ist, an der Vigil [Vorabend hoher katholischer Feste] des hehren Fürsten Michael [29. September], der Schutzherr dieses Kunstwerks sein möge.»

 

Madonna mit Kind
Graubünden oder Südtirol, 1. Hälfte 13. Jh.
Fundort: Obervaz (Kanton Graubünden)
Lindenholz, Reste originaler Fassung
H. 99 cm, B. 52 cm
Kunstmuseum Basel, Prof. Handmann-Horner-Stiftung 1941, Inv. Nr. P 77, Dauerleihgabe im Historischen Museum Basel, Inv. 2007.333.

Die Darstellung basiert auf dem byzantinischen Bildtypus der «Hodegetria», der Mutter Gottes, «die den Weg weist». Diese ist benannt nach einer der berühmtesten Ikonen aus dem Hodegon-Kloster in Konstantinopel. In diesem Kloster hielten sich Blindenführer auf. Sie führten Blinde zu einem Brunnen, wo sie geheilt werden sollten.
Die Komposition geht auf eine wunderbringende Ikone zurück, die der Legende nach vom Evangelisten Lukas gemalt wurde. Sie gehört bis heute zu den meist kopierten Bildern der byzantinischen Welt. Das Relief ist vermutlich im Kreuzfahrermilieu in Südtirol oder Graubünden entstanden. Über die Alpenpässe kam es in diesen Gebieten immer wieder zu einem regen Kulturaustausch, was erklärt, weshalb ein byzantinischer Bildtypus in die Alpen gelangte. Auf der Rückseite sind die gemalten Überreste eines westlich gekleideten Bischofs erkennbar.
Über die Provenienz des Reliefs ist nur wenig bekannt. 1901 entdeckte Prof. Rudolf Handmann-Horner (1862-1940) aus Basel das Werk in einer zugemauerten Nische eines Hauses in Obervaz im Kanton Graubünden.

 

Hl. Nikolaus
Oberrhein/Konstanz (?), 2. Hälfte 12. Jh.
Herkunft: Berau (Baden-Württemberg), Nikolauskapelle
Lindenholz, mehrfach überfasst
H. 87,5, B. 31 cm
Inv. 1930.619.

Die Figur stammt wohl aus der Bauzeit des ehemaligen Klosters St. Nikolaus in Berau, unweit Waldshut, das Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet wurde. Die ausgesprochen frühe Skulptur eines heiligen Nikolaus war ursprünglich mit golden und farbig unterlegten Glassteinen verziert und enthielt in der Brustöffnung Reliquien. Der priesterliche Umhang (Kasel), der bandartige Schulterschmuck (Pallium) sowie der niedrige Bischofshut (Mitra) entsprechen in ihrer Erscheinung der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Die Figur war offenbar über mehrere Jahrhunderte in Verwendung. Ein erneuertes, 1705 datiertes Brett an der Rückseite des Throns zeugt von einer Restaurierung des Heiligen. Wahrscheinlich entstand in dieser Zeit auch die barocke Blumenmalerei.

 

      

Hl. Bischof (Hl. Martin ?)
Schaffhausen (?), um 1475
Augustin Henckel (1477/78–1547/49) zugeschrieben
Herkunft: Mumpf (Kanton Aargau), Kirche St. Martin (?)
Lindenholz, Originalfassung
H. 117 cm, B. 37 cm, T. 24 cm
Inv. 1910.47.

Dieser Bischof kann heute nicht mehr identifiziert werden, da ihm die Attribute fehlen. Nach Aussage des Verkäufers stammt die Skulptur aus Mumpf bei Rheinfelden im Kanton Aargau. Sie könnte daher den heiligen Martin von Tours darstellen, denn die dortige Pfarrkirche war diesem Bischof geweiht, der zu den wichtigsten Heiligen des Mittelalters gehörte. Jüngsten Erkenntnissen zufolge könnte es sich um ein Frühwerk des Schaffhauser Bildschnitzers Augustin Henckel (1477/78–1547/49)  handeln.
Im rechten Armstumpf wurde vor Kurzem ein Papierstück aus der Entstehungszeit entdeckt – eine Hinterlassenschaft des Künstlers? Die kleine Sensation – in dieser Art sind nur ganz wenige Beispiele bekannt – zeigt die Tintenzeichnung einer weltlich gekleideten Frau und ein Satzfragment. Der Satz lässt folgendermassen entziffern: «Omnia (dat) dominus non habet ergo minus.» (Der Herr gibt alles und hat dadurch nicht weniger.)

 

Opens external link in new windowSpätgotische Skulptur des hl. Christophorus
Vorarlberg oder Allgäu (?), spätes 15. Jh.
Lindenholz, geschnitzt, gefasst
H. 89,5 cm, B. 64 cm, T. 13,5 cm
Inv. 2000.31. Legat Dr. Ruth Kessler-Uebelin

Der Riese Reprobus wollte dem mächtigsten Fürsten dienen. Ein Einsiedler belehrte ihn, dass niemand mächtiger sei als Christus, und er riet ihm, Reisenden beim Überqueren eines Flusses zu helfen. In einer Nacht trug Reprobus ein Kind über das Wasser, dessen Gewicht jedoch immer schwerer wurde, so schwer wie die ganze Welt. Das Kind offenbarte sich als Christus und sprach: „Du hast nicht nur die ganze Welt auf dir gehabt, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat [Jacobus de Voragine, Legenda aurea, um 1264].“ Darauf taufte es ihn auf den Namen Christophorus, Christusträger.
Der unbekannte Bildhauer stellt den Heiligen barfuss auf einer Erdscholle dar, aus der ein dürrer Baumstamm wächst. Der nackte Jesus-Knabe sitzt auf der linken Schulter des hl. Christophorus, hat die rechte Hand segnend erhoben und trägt in der Linken die goldene Weltkugel, die ihn als Welterlöser kennzeichnet.
Der Stempel an der Unterseite der Bodenplatte der Skulptur weist darauf hin, dass der Sammler Dr. Fritz Uebelin die qualitätvolle Skulptur in Österreich erworben hat. Möglicherweise ist sie im Vorarlberg oder Allgäu entstanden.

 

Hl. Wendelin
Zentralschweiz (?), um 1500
Herkunft: Innerschweiz (Kanton Schwyz ?)
Lindenholz, Reste originaler Fassung
Inv. 1894.401.

Sankt Wendelin, der Patron des Viehs, ist ein beliebter Heiliger der Bauern und Hirten. Sein Vater, ein irischer König, zwang ihn seines Glaubens wegen, eine Viehherde zu hüten. Die Figur zeigt Wendelin daher mit Hund, Schafen und einer Kuh.
Wendelins Kleidung mit Pilgermantel, Schlapphut, Stab und Tasche charakterisiert ihn als Pilger. Als solcher gehörte dieser Heilige zu einer Anzahl irischer Mönche, die vom 6. bis 8. Jahrhundert die Bevölkerung des europäischen Festlandes bekehrten. Ihre Heimatlosigkeit galt ihnen als Pilgerschaft allein für Jesus Christus (lateinisch „peregrinatio propter Christum“). Der wohl Bekannteste unter ihnen ist Gallus, Gründer des Klosters St. Gallen.

 

Opens external link in new windowHl. Katharina von Alexandrien
Strassburg, um 1500
Herkunft: Kippenheim bei Offenburg (Baden-Württemberg), Hochaltar der St. Mauritiuskirche
Lindenholz, Originalfassung
Inv. 1977.240. Geschenk Prof. Dr. Edgar Heilbronner, Basel

Die Heilige gilt als Helferin bei Sprachschwierigkeiten und als Schutzpatronin der Schulen. Mit grosser Klugheit gesegnet, verteidigte Katharina ihren Glauben gegenüber dem römischen Kaiser. Als sie daraufhin gerädert werden sollte, zerbrach das Rad auf wundersame Weise. Schliesslich wurde sie mit dem Schwert enthauptet.
Diese Figur zierte ursprünglich den Hochaltar der St. Mauritiuskirche in Kippenheim bei Offenburg, der 1714/15 durch einen neuen Altaraufsatz ersetzt wurde. Die Figuren sind heute auf vier Orte verstreut: Basel, Breisach (St. Stephansmünster), Kippenheim, New York (Metropolitan Museum). Die Zerlegung von Schnitzaltären und der Verkauf ihrer Einzelteile sind charakteristisch für das Schicksal vieler kirchlicher Bildwerke.

 

Votivtafel der Isabella von Burgund
Tournai (?), um 1440
Herkunft: Basel, Kartäuserkloster St. Margarethental in Kleinbasel
Platte: Messing, Reste originaler Bemalung; Rahmen: Kalkstein
H. 147 cm, B. 129,5 cm (mit Rahmen)
Platte: Inv. 1870.673. / Tafel: Inv. 1929.297.

Die Tafel erinnert an eine bedeutende Stiftung Isabellas von Burgund (1397–1471) zugunsten des Basler Kartäuserklosters. Die Herzogin stiftete der Kartause 1433 zum Seelenheil ihrer Familie 1’700 Goldgulden für das tägliche Feiern zweier Seelmessen und zweier «Jahrzeiten» (Messen zum Todestag). Zusätzlich schenkte sie Priestergewänder sowie liturgische Geräte und finanzierte zwei Mönchszellen.
Das Bild zeigt vor dem leeren Kreuz die trauernde Maria mit ihrem toten Sohn im Schoss. Rechts beten Isabella mit zwei verstorbenen Kindern, links ihr Gemahl Philipp der Gute (1396–1467) mit Sohn Karl, bekannt als «der Kühne» (1433–1477). Die Heiligen Elisabeth und Andreas erscheinen als Fürbitter.
Die Tafel ist ein herausragendes Beispiel burgundischer Hofkunst des 15. Jahrhunderts. Sie zeugt darüber hinaus von der Stiftungskultur der Herrscherfamilie der Burgunder. Sie tätigten an verschiedenen Orten ihres Reiches und wie im Fall Basels darüber hinaus, hochwertige Stiftungen zum Wohl ihrer Seelen und zugunsten einer immerwährenden Erinnerung.

 

    

Opens external link in new windowAltar des Peter Rot
Basel, um 1476/84
Umkreis Bartholomäus Ruthenzweig (aktiv 1470–1492/93)
Herkunft: Basel, Klosterkirche des Franziskanerordens (Barfüsserkirche)
Mischtechnik auf Tannenholz
H. 109,5, B. 192 cm (geöffnet)
Inv. 1978.322. Erworben mit einem Sonderkredit des Grossen Rates des Kantons Basel-Stadt

Der Altaraufsatz ist das einzig erhaltene mobile Ausstattungsstück der Barfüsserkirche, das die Reformation überdauert hat. Er zeugt von der grossen Marienverehrung der Franziskaner und widerspiegelt die damals in Basel geführten kirchlichen Auseinandersetzungen um das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Stifter dieses Altaraufsatzes war der Basler Bürgermeister Peter Rot († 1487), dessen Wappen zusammen mit demjenigen seiner ersten Ehefrau Margarethe von Rümlang († 1479) das Mittelbild schmückt. Dem Seelenheil des Paares gilt die Fürsprache der 33 dargestellten Heiligen.
Auf dem Mittelbild des geöffneten Altars schwebt eine Mondsichelmadonna als strahlende Himmelskönigin und Überwinderin des Bösen. Der Erzengel Gabriel links erinnert an die jungfräuliche Schwangerschaft Marias. Rechts hält der Erzengel Michael zwei Teufel im Zaum. Die 30 Heiligen der Altarflügel treten als himmlische Fürsprecher auf, wie die Wölkchen veranschaulichen. Die Auferstehungsszene der Aussenseite verkündet die Hoffnung auf Erlösung. Sie folgt einem um 1475 entstandenen Kupferstich Martin Schongauers. Als rares Zeugnis der Basler Tafelmalerei der Spätgotik dokumentiert der Altar den unmittelbaren Einfluss dieses Colmarer Meisters.

 

Altartafel
Basel (?), um 1269
Herkunft: Basel, Klosterkirche des Dominikanerordens (Predigerkirche)
roter Sandstein, Originalbemalung, teilweise übermalt
H. 93-104 cm, B. 105 cm, T. 6,5 cm
Inv. 1876.67. Geschenk Vorstand der Predigerkirche

Gerahmt von einer Architektur aus Säulchen und Spitzbögen, thront in der Mitte Maria mit dem Jesuskind. Die beiden sind umgegeben von zwei Engeln mit Kerzenleuchtern. Aussen stehen zwei Heilige, rechts der Ordensgründer Dominikus (um 1170–1221) und links wohl Petrus Martyr (um 1206–1252), ein Mailänder Dominikaner.
Das seltene Beispiel eines bemalten Steinaltars des 13. Jahrhunderts stammt aus der ehemaligen Klosterkirche des Dominikanerordens in Basel, der Predigerkirche. Infolge der Abschaffung der Messfeier und der Ablehnung der Bilder wurde der Altar aufgelöst und die Steintafel als Bauteil benutzt. 1876 wurde die unter dem Westfenster der Predigerkirche eingemauerte Altartafel wiederentdeckt.
 

Fegefeuer
Oberrhein (?), Anfang 16. Jh. 
Herkunft: Pruntrut (Kanton Jura)
Lindenholz, Originalfassung
Inv. 1941.129. 3752

Im Fegefeuer müssen die Seelen der Verstorbenen für deren Missetaten büssen, bevor sie in den Himmel aufgenommen werden. Durch gute Werke und Gebete konnte dieser Läuterungsprozess verkürzt werden. Diese Darstellung des Fegefeuers könnte einst Teil eines Gerichtsaltars gewesen sein. Darüber stand wohl der Weltenrichter Christus am Jüngsten Tag oder der Erzengel Michael, der mit einer Waage die Sünden der verstorbenen Seelen gewichtet.