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Malerei und Grafik

Gästebuch der Herrenherberge «Zum Wilden Mann» in Basel

Eckdaten

Basel, Einträge aus den Jahren 1600–1628

Gouache, braune Tinte; Ledereinband

H. 20 cm, B. 15 cm

Inv. 1995.559.

Depositum der Oeri Archiv-Stiftung, Basel.

Beschreibung

Das Gästebuch des in der Freien Strasse gelegenen Gasthofes «Zum Wilden Mann» (Kat. 147) enthält ca.
neunzig Einträge aus der Ära des Wirtes Samuel Schorndorff (1581–1629). Seit 1602 war er seinem Vater bei der Leitung des Gasthofes behilfl ich, seit 1614 führte er ihn allein. Der Gasthof wurde als Herrenherberge bezeichnet, ein Status, der sich im Gästebuch in den aufwendigen Eintragungen adeliger Gäste zeigt. Manche liessen ihre Einträge mit Wappen und Devise versehen, einige wenige auch mit einer Miniatur. Abhängig war das wohl von der Länge des Aufenthaltes und vom Grad der Zufriedenheit.
Beides war vermutlich beim Adeligen Hans Ludwig von Dachsberg der Fall, bis 1627 württembergischer Hofjunker, der mit einem ganzseitigen Eintrag mit Miniatur vertreten ist. Sein Wappen zeigt auf geviertem Schild zwei Felder mit schwarz-weiss-geschachtem Pfahl und zwei Felder mit steigendem, silbernem Dachs auf rotem Grund. Die muntere Inschrift mit der Datierung 1611 in der oberen Zeile lautet «vive l’amour, vive la foy, / vive ma maisdresse a moy. / j’aime trois choses de bonne terre, / les armes, l’amour et l’honneur» (Es lebe die Liebe, es lebe der Glauben, es lebe meine Mätresse für mich / ich liebe drei Dinge aus guter Erde: die Waffen, die Liebe und die Ehre).
Von kulturgeschichtlichem Interesse ist die Darstellung der Mahlszene: Acht Gäste sitzen an drei Seiten eines quadratischen Tisches. Bedient werden sie von drei Männern, von denen einer für die Getränke zuständig zu sein scheint, während zwei weitere – vielleicht Vater und Sohn Schorndorff – gefüllte Teller herbeitragen. Die drei Gäste an der rechten Seite des Tisches sind durch ihre goldenen Trinkbecher als besonders vornehm gekennzeichnet; zwei tragen zudem federgeschmückte Hüte und auffallend prächtige Kleidung. Als Fremde, die nur vorübergehend in der Stadt waren, waren sie von den rigiden Kleidervorschriften der Basler Reformationsordnung ausgenommen – und dadurch im Basler Stadtbild deutlich als Fremde erkennbar.

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