"Plastische Naturgeschichte des Thierreichs"

"Plastische Naturgeschichte des Thierreichs"

Wien, 1828


Inv. 1957.28.

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Text aus Katalog "Kinderleben in Basel" 2005:
Die «Plastische Naturgeschichte des Thierreichs Oder systematische Beschreibung
der merkwürdigsten Thiere», wie der vollständige Titel lautet, sollte
der «nützlichen und lehrreichen Unterhaltung für die Jugend» dienen. Dieses
Ziel sollte mit 56 Tieren aus Papier (in nicht ganz korrekten Grössenrelationen)
und einer umfangreichen, 121 Seiten umfassenden Broschüre erreicht
werden. In ihr wird eine erste Vorstellung von der Systematik des Tierreiches
vermittelt, die in sechs Klassen gegliedert (Säugetiere, Vögel, Amphibien,
Fische, Insekten und Würmer) und jeweils in mehrere Ordnungen unterteilt
ist. Diese Systematik fusst auf der bis heute gültigen Klassifizierung des
Tierreichs, die der schwedische Biologe Carl von Linné 1758 publiziert hatte,
ist jedoch stark vereinfacht. Ausserdem wird nicht wie bei Linné – und wie es
der Evolution entspricht – mit den einfachsten Lebewesen begonnen, sondern
es stehen die Menschenaffen am Anfang. Auf dem aktuellen Stand der
Wissenschaft sind die beigegebenen Bezeichnungen nach Linné in der sog.
binären Nomenklatur, d.h. mit den lateinischen, für Wissenschaftler aller
Sprachen verbindlichen Doppelnamen, wie etwa Rhinoceros unicornis für das
Nashorn, angegeben.
Auffallend ist die grosse Anzahl der Säugetiere, von denen achzehn Beispiele
vertreten sind, obwohl sie nur einen kleinen Anteil an der Gesamtheit
der Tierarten ausmachen. In dieser Gewichtung erkennt man deutlich eine
Anpassung an die Vorlieben der Kinder, die mehr für die grossen Wildtiere
wie Elefanten, Nashörner und Giraffen zu begeistern sind als für Käfer oder
Würmer. Dem wird auch in den Texten Rechnung getragen, die bei den
bekannten, grossen Tieren nicht nur Informationen, sondern auch kleinere
Anekdoten enthalten.
Einige der vorgestellten Tiere kannte man noch nicht allzu lange und nicht
allzu gut. So gab es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Spiels 1828 in ganz
Europa insgesamt nur drei Giraffen zu sehen, und selbst die Lebensdauer von
einheimischen Tieren wie den Fledermäusen war noch unbekannt. MR

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