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Christbaumschmuck

Ein zerbrechliches Sammlungskonvolut wird für die Generalinventur vorbereitet

Die Sammlung des historischen Christbaumschmucks und Spielzeugs, die jahrelang für die weihnachtliche Präsentation im Haus zum Kirschgarten verwendet wurde, umfasst ca. 1'700 Einzelteile.

Für eine sorgfältige Erfassung durch die Generalinventur und notwendige konservatorische Massnahmen durch die Notkonservierung kam es im Sommer 2023 zum Umzug eines kleinen Konvoluts: der Christbaumschmuck verliess das Haus zum Kirschgarten

Ein schön geschmückter Christbaum gehört zum Weihnachtsfest. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde er ein beliebter und bedeutender Bestandteil der Feierlichkeiten. Heute sind Glaskugeln und Kerzen die Klassiker beim Baumschmuck.

Ursprünglich dekorierte man Tannenzweige oder Bäume mit echten Leckereien wie Äpfeln, Nüssen und Weihnachtsguetzli. Vor ca. 300 Jahren begann man, kleine Schmuckstücke aus verschiedensten Materialien wie Papier, Glas und Metall anzufertigen und den essbaren Schmuck damit zu ergänzen. Die heute noch verbreiteten Glaskugeln wurden erstmals im 19. Jahrhundert im Thüringischen Lauscha produziert und im Laufe der Zeit zu vielfältigsten Formen wie gläsernen Hirschen, Sternen, Glocken oder Tannenzapfen weiterentwickelt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Christbaumschmuck immer detailreicher, es entstand nach und nach eine wachsende Industrie aufwendig hergestellter Ware.

HMB Inv. 2001.623. Christbaumschmuck in Form eines Dampfschiffs aus Draht, Watte, Papier und Perlen, ca. 1890.

Die Sammlung

Das Historische Museum Basel bewahrt verschiedene Konvolute historischen Christbaumschmucks auf. Die meisten Schmuckstücke bestehen aus Glas in verschiedenster Form, wobei die klassische Kugelform am häufigsten vorkommt. Seltener sind Objekte aus Holz, Papier, Metallfolie oder Watte. Eher ungewöhnlich aber auch in der Sammlung vertreten ist Schmuck aus Zucker und echten Anisbrötli. Zu den ältesten Konvoluten gehören Anhänger aus «Dresdner Pappe» des späten 19. Jahrhunderts. Zu den modernen Schmuckkonvoluten mit Baselbezug gehört z.B. Christbaumschmuck aus der Hand des Basler Modeschöpfers Fred Spillmann.

HMB Inv. 2002.367. Christbaumschmuck von Fred Spillmann, Baumnüsse pink bemalt, 1975-1980

Tradition und Risiken

Das Haus zum Kirschgarten mit seinen grossbürgerlichen Wohnstuben des 18. und 19. Jh. stellt naturgemäss eine grossartige Kulisse dar, um geschmückte Christbäume zu präsentieren. Daher etablierte sich bald nach Eröffnung des Museums die Tradition, jedes Jahr in der Adventszeit Christbäume aufzustellen. In historischen Räumen ergibt sich natürlich ein besonders stimmiges Bild, wenn für die Bäume historischer Schmuck verwendet wird. Die Christbaumschmuck-Sammlung des HMB wurde aus diesem Grund viele Jahrzehnte jährlich für das Ausstatten der Bäume verwendet, ergänzt durch einzelne historische Spielzeuge. Die Präsentation der Bäume schuf eine authentische, allseits geschätzte Weihnachtsstimmung.

Lässt sich das Pflegen und Bewahren des historischen, naturgemäss zerbrechlichen Christbaumschmucks auch heute noch mit dieser Weihnachtstradition in Einklang bringen? Das Verwenden echter Kerzen bedeutet ein Brandrisiko und kann zu Wachsflecken auf den Objekten führen, die die Oberfläche teils irreparabel schädigen. Daher verbietet sich die Verwendung echter Kerzen in der Weihnachtsausstellung im Haus zum Kirschgarten grundsätzlich. Harz und Tannennadeln führen zu Verschmutzungen, beim Befestigen am Christbaum können originale Aufhängevorrichtungen reissen oder Glaskugeln zerbrechen. Die Christbäume sind nicht standfest und können umstürzen. Der direkte Kontakt der Objekte zum Baum erhöht das Risiko von Insektenbefall.

Konservatorische Massnahmen

Der historische Christbaumschmuck befindet sich aktuell in den Arbeitsräumen der Abteilung Konservierung. Hier wird der Schmuck möglichst nach Konvoluten sortiert und überprüft, ob eine Beschriftung mit der Inventarnummer vorhanden ist. Eine Neubeschriftung stellt bei diesen kleinen und fragilen Objekten eine besondere Herausforderung dar. Oberflächenschmutz wird entfernt, starke Schäden werden dokumentiert und stabilisiert. Für eine künftige Aufbewahrung im Depot erhalten die Objekte eine neue, alterungsbeständige Verpackung nach konservatorischem Standard. Je nach Material und Fragilität des Christbaumschmucks muss sie entsprechend sorgfältig angefertigt werden.  

HMB Inv. 1972.26. Teile eines grossen Konvoluts aus «Dresdner Pappe», 1880-1900, in neuer konservatorischer Verpackung.

Als Massnahme der präventiven Konservierung ist die konservatorische Verpackung eines der wichtigsten Mittel des langfristigen Objekterhalts – ein lohnenswerter Aufwand, zumal die Verpackung bereits als Transportverpackung angefertigt wird. Mit ihr können die Objekte sowohl aufbewahrt als auch bei Bedarf transportiert werden, ohne dass Transportschäden zu befürchten sind.

Nach dieser «Auffrischung» ist der Christbaumschmuck bereit für die Erfassung durch die Generalinventur.

6. Dezember 2023 – Gesa Bernges

Seit 2011 ist Gesa Bernges am Historischen Museum Basel Konservatorin-Restauratorin mit Schwerpunkt textile Objekte. Neben Sammlungs- und Depotpflege sowie präventiver Konservierung zählen die Objektbetreuung im Leihverkehr und die Vorbereitung für Ausstellungen des HMB zu ihren Aufgaben.

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