Zwei Lehrbücher der Seidenweberei

Zwei Lehrbücher der Seidenweberei

Wohl Lyon, Anfang 19. Jahrhundert (links),
3. Viertel 18. Jahrhundert (rechts)
Papier, handschriftliche Aufzeichnungen; Patronen; Stoffproben
H. 41,8 cm, B. 27 cm
H. 41,2 cm, B. 27 cm
Inv. 1907.364.
Inv. 1898.26.

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Das Basler Handlungsschema von 1839 nennt 35 Bandfabrikanten, dazu acht Firmen mit «Seiden- und Taffentfabrikation». Meist waren bei diesen Firmen mehrere Partner beteiligt, so dass die Zahl der damals in Basel lebenden Band- und Seidenfabrikanten noch um einiges höher lag. Es war bei den damaligen Firmen- und Familienstrukturen üblich, dass meist mehrere Söhne im Metier der Seidenverarbeitung ausgebildet wurden. Dabei konnte die Übernahme des väterlichen Betriebes oder der spätere Aufbau eines eigenen das Ziel sein. Zu diesem Zweck durchliefen die jugendlichen Fabrikantensöhne eine jahrelange, gründliche Ausbildung. Sie begann mit der praktischen Lehre in verschiedenen Abteilungen der Fabrik des Vaters, eines Verwandten oder Geschäftsfreundes.
Danach studierten sie in einem der französischen Zentren der Seidenverarbeitung an spezialisierten Webschulen wie der Ecole de Tissage in Lyon die theoretischen und technologischen Grundlagen der Weberei; in späterer Zeit war das auch an der 1881 gegründeten Zürcher Seidenwebschule möglich. Oft vermittelte ein längerer Aufenthalt in Oberitalien den angehenden Bandfabrikanten noch zusätzlich grundlegende Kenntnisse zu Seidenraupenaufzucht und Seidenverarbeitung, und Reisen nach Paris schulten das Flair für modische Aktualitäten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen in einigen Fällen noch ausgedehnte Reisen in die Vereinigten Staaten und nach Südamerika hinzu, da deren expandierende Märkte gute Absatzchancen für die Zukunft versprachen. Danach kehrten die angehenden Fabrikanten – kenntnisreich, erfahren und weltgewandt – nach Basel zurück, um als Juniorpartner in den Familienbetrieb einzutreten.
Umfangreiche Lehrbücher, meist von den Schülern selbst angelegt, enthalten handschriftliche Erläuterungen, Entwürfe, Musterabschnitte, Schemazeichnungen, Patronen sowie Materialberechnungen. Das in den Kursen in Lyon und St. Etienne gesprochene Französisch stellte eine gute Vorbereitung für die spätere Tätigkeit dar, da in der Seidenbandindustrie französische Fachbegriffe vorherrschten.

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