Zeichnungen der Totenschilde von Konzilsteilnehmern  in der Kartäuserkirche

Zeichnungen der Totenschilde von Konzilsteilnehmern in der Kartäuserkirche

Johann Jacob Neustück, Basel, 1860 datiert
Aquarell über Bleistiftzeichnung
H. 46 cm, B. 64 cm (Gesamtformat)
Inv. 1870.676. und 1870.677.

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Fast zwei Jahrzehnte währte das Basler Konzil (1431– 1449), und angesichts der langen Dauer und der hohen Zahl der Teilnehmer ist es nicht verwunderlich, dass etliche der von weither angereisten Würdenträger in Basel starben. Bei einigen der hohen Geistlichen mag das fortgeschrittene Alter der Grund für ihren Tod gewesen sein. Im Sommer 1439, im neunten Jahr des Konzils, brach in Basel die Pest aus. In den eindringlichen Worten des Chronisten Christian Wurstisen (1544–1588) liest es sich so: «In Hundtstage der grössten hitz nahm diese Sucht soviel Menschen hin das man schier alle stund ein Leich daher trüge das Sacrament und letzte Oel nimmer ab der Gassen kame, auch gar nahe keinem Hause der gantzen Statt verschonet fürgienge: es war alles voll weinens, traurenns und leidtragens. Das Volck fi ele dahin wie angehndts Winters die Bletter abzureissen pfl egen. […] Alle Kirchhöfe wurden ausgegraben, dass man bey den Pfarrkirchen grosse Gruben machet, die todten Cörper auffeinandern beiget. Im grösten Sterbent vergiengen alle tag bey hundert Menschen.» Dieses grosse Sterben stellte Arbeit und Erfolg des Konzils in Frage: «also das viel vom Concilio sturbe, viel auch hinweg zohe: ordnet man etliche Herren sorg zu haben, damit nicht das Concilium aus zerfl iessung der Prelaten gar vergienge. Solches brachte dem Concilio grosses Hertzklupffen beuorab, da es ihnen etliche fürnemme Personen wegname, namlich Ludivicum Pontanum, den jungen hochbegabten jungen Mann. Welcher in 36 stunden gesund und tod war.» So wie dieser Ludovicus Pontanus, päpstlicher Protonotarius, wurden viele der hochrangigen Teilnehmer, die während des Konzils verstarben, in der Kirche der Kartause beigesetzt. An sie erinnern noch heute im Chor aufgehängte hölzerne Totenschilde mit aufgemalten Wappen und Inschriften.
Auf zwei Aquarellen hat der Basler Zeichner und Lithograf Johann Jacob Neustück (1799–1867) die Totenschilde in der Kartäuserkirche festgehalten. Ein Blatt (Abbildung) zeigt die Wappen des Bischofs von Utrecht, Sueder von Culenborg (gest. 1433), des päpstlichen Protonotars Ludovicus Pontanus (gest. 1439), des Patriarchen von Aquileia, Herzog Ludwig von Teck (gest. 1439), sowie des Bischofs von Como, Graf Franziskus von Bossio (gest. 1434). Ein zweites Blatt zeigt drei weitere Wappen verstorbener Konzilsteilnehmer: des Bischofs von Worcester, Thomas von Polton (gest. 1433), des Kardinals von St. Eustach, Alfonsus de Curillo (gest. 1434), und des Bischofs von Rochester, Johannes Langdon (gest. 1434).
Einige von ihnen hatten in ihren Testamenten die Kartäuserkirche mit umfangreichen Stiftungen für Bauvorhaben, Ausstattungsstücke oder liturgische Geräte und Textilien bedacht.

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