Taufdarstellung aus «Eigentliche Vorstellung Der Kleider Tracht Lob. Statt Basel …»

Taufdarstellung aus «Eigentliche Vorstellung Der Kleider Tracht Lob. Statt Basel …»

Barbara Wentz-Meyer (Entwurf), Anna
Magdalena de Beyer (Stich und Druck)
Basel, um 1700
Radierung auf Papier
H. 19,2 cm, B. 14,9 cm
Inv. 1987.701.

Taufdarstellung aus
«Amictus Senatus tam Politi:
quam Academ: Mulierum, Virgin:
populiq Basiliensis …»
Johann Jakob Ringle, Basel, um 1650
Radierung auf Papier
H. 13,3 cm, B. 18,1 cm
Inv. 1983.463.14.

Taufdarstellung aus
«Habitus solennes hodie
Basiliensibus …»
Hans Heinrich Glaser, Basel, 1624
Radierung auf Papier
H. 10,4 cm, B. 6,1 cm
Inv. 1983.641.31.

Bildauflösung:
3576px x 4236px

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Auf dem Weg zur Taufe
Die Taufe eines Neugeborenen fand in Basel bis weit in das 19. Jahrhundert hinein bereits am ersten Sonntag nach der Geburt statt. Zur Taufe getragen wurde das vollständig verhüllte Kind entweder von der Patin («Gotte») oder der Hebamme. Der Glaube, das noch ungetaufte und damit schutzlose Kind müsse vor dem Bösen verborgen und daher bedeckt in die Kirche getragen werden, hat sicherlich ebenso zu dieser Form des Verdeckens beigetragen wie die tatsächliche Empfindlichkeit des nur wenige Tage alten Säuglings.

Der Vorgang, dem eine grosse religiöse und soziale Bedeutung zukam, ist regelmässig in den sog. Trachtenfolgen festgehalten. Da sich bei Hochzeit und Taufe, zum Kirchgang und in Trauerzeiten regionale Besonderheiten und Ausprägungen in der Kleidung besonders deutlich zeigen, fehlen Bilder dieser Anlässe darin fast nie. Im 17. Jahrhundert wirkten vielerorts Kleiderordnungen stark reglementierend auf Stil und Pracht von Kleidung ein und sorgten für eine sichtbare Differenzierung der einzelnen Stände. Diese Abstufungen zu dokumentieren, ist ein weiteres Ziel dieser Bilderserien, die ursprünglich gebunden oder in Heftform in den Handel kamen. Für Basel ist die Situation durch insgesamt vier Kostümfolgen besonders gut belegt: zwei Serien von Hans Heinrich Glaser aus den Jahren 1624 und 1634; dann, in die Jahre um 1650 zu datieren, eine ausführliche Folge von Johann Jakob Ringle, und schliesslich, bemerkenswerterweise von zwei Frauen geschaffen, eine spätere, um 1700 entstandene Serie.

Bei den beiden früheren Taufdarstellungen (unten) fallen die «Jungfrauenbändel » auf: hohe, kronenartige Kopfbedeckungen, reich mit Flussperlen und künstlichen Blumen geschmückt, die auch von Basler Bräuten zur Hochzeit getragen wurden. Bei der spätesten, um 1700 entstandenen Darstellung (oben) fehlt diese spezielle Kopfbedeckung. Stattdessen sieht man einen sehr breitkrempigen Hut, wie er in Basel und Strassburg am Ende des 17. Jahrhunderts allgemein Mode war. Auf allen drei Darstellungen sind die verschiedenartigen, kostbaren Taufdecken ausführlich geschildert, die – übereinander gelegt und das Kind umhüllend – für die repräsentative und prachtvolle Erscheinung von Patin und Täufling sorgten.

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