Strausseneipokal mit Meistermarke von Karl Silvan Bossard mit den Wappen Vischer-Alioth
Strausseneipokal mit Meistermarke von Karl Silvan Bossard mit den Wappen Vischer-Alioth - 1

Strausseneipokal mit Meistermarke von Karl Silvan Bossard mit den Wappen Vischer-Alioth

Luzern, 1891
Inv. 2015.389.

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CHF 40.00

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Luzerner Straussenei-Pokal für eine Basler Familie
Dieses Schaugefäss entspricht im Aufbau jenen Straussenei-Pokalen, die als Kunst- und Wunderkammerobjekte in Renaissance und Barock beliebt waren. Tatsächlich ist dies aber eine hochwertige Schöpfung des Historismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Pokal trägt über einem gestuften Fuss mit vasenförmigem Schaft das Straussenei, das von drei Spangen in Form weiblicher Hermen gefasst ist. Bekrönt wird das Gefäss von der Figur eines trommelnden Knaben. Im Inneren des Deckels weist ein Medaillon auf den Besitzer hin: Hier sind die von einem Engel gehaltenen Wappen der Basler Familien Alioth und Vischer sowie das Entstehungsdatum 1891 eingraviert. Beim Auftraggeber dürfte es sich um Siegmund Wilhelm Alioth (1845–1916), den Kaufmann und späteren Präsidenten der Handelskammer handeln, der seit 1873 mit Sally Vischer (1848–1932) verheiratet war. Es ist gut denkbar, dass das Ei des Laufvogels aus dem 1874 gegründeten Zoologischen Garten Basel, dem ältesten der Schweiz, stammt. Zum Pokal verarbeitet wurde das Straussenei im berühmten Atelier Bossard in Luzern, was die im Fuss eingeschlagenen Marken bezeugen. Mehrere Basler zählten damals zu den wichtigen Kunden Bossards, unter ihnen auch Fritz Vischer-Bachofen (1845–1920), der Bruder von Sally Alioth-Vischer. Karl Silvan Bossard (1846–1914) hatte 1869 die väterliche Werkstatt übernommen und fertigte qualitätvolle Objekte im Stil des Historismus, wobei er oftmals Zeichnungen und Originale früherer Zeiten zum Vorbild nahm. So weist das Gefäss auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem um 1575 von dem Nürnberger Goldschmied Elias Lencker geschaffenen Straussenei-Pokal auf, den der Basler Rat 1760 der Universität zu ihrem 300-jährigen Jubiläum schenkte (Inv. 1882.90. Depositum Universität Basel). Unter Bossards Werkstattzeichnungen, die im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich verwahrt werden, befindet sich ein direkter Entwurf für den oberen Teil unseres Straussenei-Pokals.

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