Stockuhr
Uhren und wissenschaftliche Instrumente

Stockuhr

wohl Süddeutschland, um 1670
Gehäuse: Sockel Kiefernholz
Mittelteil: Eiche
Giebel: Kiefernholz
Rückseite: Ebenholz und Mahagoni, Schildpatt, Glas, Messing, Silber, Achat, Papier
Werk: Messing, Stahl, Glockenbronze
H. 57 cm, B. 30 cm, T. 20,3 cm
Inv. 2007.414.

Bildauflösung:
3440px x 5014px

CHF 40.00

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Das Gehäuse folgt im Aufbau zeitgenössischen Architektur-Regeln wie sie auch bei Altären angewandt wurden. Man nennt solche Uhren deshalb auch Altaruhren. Über einer umlaufenden Sockelprofilierung mit Hohl-kehle erhebt sich der Sockel, der mit einer Schublade zur Aufnahme der Uhrenschlüssel versehen ist. Zwei leicht geschwellte, beinahe vollplastische korinthische Säulen rahmen das Hauptgeschoss mit dem Zifferblatt. An den Seiten liegen Fenster mit tief eingeschnittenen, stark perspektivisch angelegten Fenstergewänden. Über dem einfach verkröpften Gebälk folgt der Giebelaufsatz, flankiert von zwei Achat-Vasen. Auf dem Sockel des Giebels rahmen zwei Pilaster mit barock geschweiften Blendgiebeln einen Oculus. Zum optischen Erscheinungsbild tragen die reliefierten Silberbleche in den Feldern der Postamente, um die Säulen, in den Kassetten der Fenstergewände, im Fries des Gebälks und am Giebelhäuschen entscheidend bei. Diese Silberbleche sind im Verlauf der Jahrhunderte korrodiert und zeigen eine grau-schwarze Patina.

Das Gehäuse präsentiert sich nicht im originalen Zustand. Die jetzt vergoldeten Profilierungen waren ursprünglich in der gleichen Art mit Silberblech verkleidet wie jene der seitlichen Füllungsfelder; an einigen Stellen sind noch Reste des Silbers sichtbar.

Die schwarzen Füllungen des Sockels waren ursprünglich wohl auch mit Silberblech belegt. Der Giebelabschluss ist beschnitten und mit einem neuen Profil versehen. Die schildpattimitierende Übermalung der Achat-Vasen ist ebenfalls auf die Neugestaltung zurückzuführen. Die nachträglich furnierte Rückseite läuft nicht über die Profilleisten und stimmt mit dem Gehäuse in Material und Stil nicht überein. Da solche Uhren wandständig waren, wurde die Rückseite nicht furniert. Der jetzige Zustand überzeugt auch in handwerklicher Hinsicht nicht, da unnötige Spannungs-kräfte entstehen. Das Gehäuse stand wahrscheinlich auf Kugelfüssen.

Das Gehäuse ist das Produkt mehrerer Handwerker. Es wurden Edelhölzer und Schildpatt verarbeitet. Plinthen, Säulenbasen und Kapitelle sind messing-vergoldete Gussstücke. Als Serienprodukte hergestellt, wurden sie vom Gehäusebauer bezogen. Das Rohmaterial der Achat-Vasen stammt aus dem Oberen Nahegebiet, Raum Idar-Oberstein (Pfalz, Deutschland). Schleifereizentren waren Nürnberg, Idar-Ober-stein und der Breisgau. Die Silberbleche mit den Blumenornamenten dürften aus Nürnberg stammen; die Stadt war im 17. Jahrhundert ein Zentrum für gepresste Silberbleche. Die illusionistisch-perspektivi-schen Fenstergewände treten im 17. Jahrhundert in ähnlicher Weise als bogenförmige Füllungen bei süddeutschen Schränken auf. Das Gehäuse darf deshalb nach Süddeutschland lokalisiert und in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert werden. Aus der gleichen Zeit wird auch das nicht signierte und nicht datierte Uhrwerk stammen. Das schöne Geschenk ergänzt die Uhrensammlung um ein interessantes Exemplar.

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