Stickmustertuch

Stickmustertuch

Marguerite Ernst
Basel, 1791 datiert
Seide, in Kreuzstichtechnik auf
Wollgewebe gestickt
H. 39,5 cm, B. 22,5 cm
Inv. 1976.35.

Bildauflösung:
4403px x 4999px

CHF 40.00

in den Warenkorb

Genauigkeit und Geduld als Erziehungsziele
Das schmale, in mehrere Querstreifen aufgeteilte und weitgehend symmetrisch gegliederte Tuch folgt einem Typus von Stickmustertüchern, wie er im 18. Jahrhundert in weiten Teilen Europas geläufig war. Den oberen Abschluss bilden das Alphabet und die Zahlen, dazwischen verbergen sich Signatur und Datum: MARGUERITE ERNST 1791. Darunter, ebenfalls in Kreuzstichtechnik gestickt, sieht man Zitruspflanzen in Kübeln und stilisierte Blütensträucher.

Marguerite (eigentlich Margareta) Ernst wurde 1777 in Basel geboren und war somit vierzehn Jahre alt, als sie dieses Tuch bestickte. In diesem Alter war sie den Anforderungen, die diese Handarbeit stellte, durchaus gewachsen.

Viele der erhaltenen Stickmustertücher sind – soweit es sich nachweisen lässt – von Mädchen zwischen neun und fünfzehn Jahren angefertigt worden. Voraussetzung war nicht besonderes Geschick, sondern vor allem Genauigkeit beim Nacharbeiten einer Vorlage. Motive und Farbwahl, nicht die technische Perfektion, machen den dekorativen Reiz eines solchen Tuches aus. Tücher dieser Art dienten zur Einübung der Technik, aber auch zum Anlegen eines gewissen Motivschatzes, auf den man für Stickarbeiten zurückgreifen konnte. Die Zahlen und Buchstaben benötigte man zur Kennzeichnung von Wäschestücken.

Vor allem jedoch wurden mit solchen kleinteiligen und zeitaufwendigen Stickarbeiten bewusst Eigenschaften wie Fleiss, Geduld und Sorgfalt gefördert, die man als ideale Tugenden der Frauen ansah. Kreativität konnte innerhalb der engen Vorgaben und wegen der verbindlichen Vorlagen kaum entwickelt werden; stattdessen lernten die Mädchen, sich mit dem Begrenzten und Vorgegebenen zu begnügen.

Das Tuch zeigt für seine Entstehungszeit recht altertümliche Motive.

Durch zwei weitere Tücher aus der gleichen Familie, 1743 und 1758 datiert und ebenfalls im HMB aufbewahrt, lässt sich nachweisen, dass Marguerite Ernst ihre Motive von diesen älteren, innerhalb der Familie weitergereichten Mustertüchern übernahm.

Weitere Bilder zu "Textilkunst"