Statue des Martin Eduard Alfred Burckhardt

Statue des Martin Eduard Alfred Burckhardt

Ferdinand Schlöth, Rom, 1847 datiert
Marmor
H. 105 cm
Inv. 1983.424.

Bildauflösung:
1984px x 3907px

CHF 40.00

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Ferdinand Schlöth (1818–1891) war Sohn des aus Berlin eingewanderten und 1820 in Basel eingebürgerten Schlossers Heinrich Ludwig Schlöth und der Baslerin Maria Salome Treu. Zunächst absolvierte er eine Lehre in der väterlichen Werkstatt. Die anschliessende Gesellenwanderung führte ihn durch die Schweiz und nach Paris, Lyon und Marseille. Nach dem Tod des Vaters 1839 konnte er verstärkt seinen künstlerischen Neigungen nachgehen.
Er besuchte den Zeichenunterricht bei Hieronymus Hess (Kat. 135), doch die angestrebte Ausbildung zum Bildhauer liess sich in Basel mangels geeigneter Lehrer nicht verwirklichen.
Als einziges wirklich lohnendes Ziel erschien ihm Rom, wo die Bildhauerei unter dem strahlenden Stern des Dänen Bertel Thorvaldsen (1770–1844) zu grosser Blüte gekommen und von dessen idealisierter Formensprache geprägt worden war. Hieronymus Hess, der ihn in Rom kennengelernt hatte, war ihm durch Bewunderung und Dankbarkeit verbunden.
Ende des Jahres 1843 traf Schlöth in Rom ein und erwarb sich in verschiedenen Werkstätten innerhalb weniger Jahre umfassende Kenntnisse und Fertigkeiten in der Bildhauerei. Daneben standen intensive Besuche der Museen, in denen er die Bildwerke der Antike studierte.
Sein erstes eigenständiges Werk war ein Auftrag des wohlhabenden Basler Ruheständlers Martin Burckhardt-His, der aus gesundheitlichen Gründen mit seiner Familie in Italien lebte und bei seinem Landsmann ein Marmorbild seines sechsjährigen Sohnes Martin Eduard Alfred Burckhardt (1841–1903) bestellte.
In antiker Manier gekleidet, erscheint die lebensgrosse Wiedergabe des Kindes wie ein Bacchusknabe, der eine Weintraube hält und sich an einen Baumstamm lehnt, an dem eine Weinranke emporwächst. «Fd. Schlöth / Rom 1847» lautet die Signatur auf der Rückseite des gelun genen Frühwerkes. Doch weitere Aufträge blieben aus; Europa erlebte bewegte Zeiten. In vielen Ländern herrschten revolutionäre Unruhen, was sich auf Reisen und Aufträge negativ auswirkte, und zudem verlor der spätklassizistische Stil des Bertel Thorvaldsen und seiner Schule allmählich an Wertschätzung. In Basel wirkte Charlotte Kestner (Kat. 110) für ihn; ihrem Bruder August, der als königlichhannoveraner Legationsrat am Heiligen Stuhl über wichtige Kontakte in Rom verfügte, legte sie den jungen Basler ans Herz und bat ihn, sich einen Eindruck von seiner Begabung zu verschaffen: «Findest Du ihm kein Talent, so wird seine Familie alles anwenden, um ihn zu bereden, zurückzukommen und wie früher Schlosser zu werden.
Er schrieb zwar, er wolle lieber Wasser und Brod in Rom und modelliren, als wo anders gut leben.» In den folgenden Jahren waren es vor allem Aufträge aus Basel, die Schlöths weiteres Bleiben in Rom ermöglichten; so schuf er die Statuen der Psyche (1850) und des Jason (1852) für das neue Museum an der Augustinergasse.
Weitere grössere Arbeiten verdankte er dem nach Verbildlichung verlangenden Geschichtsbewusstsein des 19. Jahrhunderts: das Winkelried-Denkmal in Stans (1855– 65), das St. Jakobs-Denkmal in Basel (1868/71–1872) und die Reihe der Professorenbüsten für die Aula des Museums in der Augustinergasse (ab 1876). Nach der Heirat mit Emma Gengenbach 1874 verbesserte sich seine materielle Lage merklich und er kehrte nach Basel zurück, wo er fortan die Hälfte des Jahres verbrachte; die andere Zeit verlebten er und seine Frau auf deren Landsitz Thal bei Rheineck (SG).

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