Stammbuch des Johann Paul von Zoya

Stammbuch des Johann Paul von Zoya

Basel, Einträge 1758–1761
Ledereinband, Goldschnitt; handschriftliche Einträge
H. 11,4 cm, B. 19 cm
Inv. 1911.1702.

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Johann Paul von Zoya aus Splügen in Graubünden, der Besitzer dieses Stammbuches, hatte sich im August 1758 in Basel zunächst als Student der Philosophie, dann ab März 1759 als Student der Rechte immatrikuliert. Er gehörte in Basel zu einem kleinen Kreis vornehmer Bündner Studenten, die engen Kontakt miteinander pfl egten.
An diese Gruppe schlossen sich auch die ungarischen Reichsgrafen Joseph (1738–1796), Adam (1740–1792) und Samuel (1739–1822) Teleki de Szék an. Die Aufenthalte dieser drei in Basel waren von unterschiedlicher Länge, dauerten zwischen sieben und neunzehn Monaten und sind von Joseph und Samuel in erhaltenen Reisetagebüchern geschildert worden. In das Stammbuch seines Mitstudenten Johann Paul von Zoya trug sich Joseph Teleki am 26. Mai 1760 ein, kurz bevor er Basel verliess und zu weiteren Studien nach Leiden, Antwerpen, Brüssel und Paris weiterreiste. Er wählte ein lateinisches Zitat aus den Carmina des Horaz («Als Herr seiner selbst und in Freuden lebt, wer jeden Tag sagen kann: Ich habe gelebt») und fügte auf Französisch die stammbuchüblichen Freundschaftsbeteuerungen an.
Die drei Grafen Teleki waren in der juristischen Fakultät eingeschrieben, aber vornehmlich wegen der berühmten Mathematiker Johann I. (Kat. 92) und Daniel Bernoulli (Kat. 93) nach Basel gekommen. Einzig im Bereich der Mathematik besass die Universität Basel zu jener Zeit einen bedeutenden, international wirksamen Ruf; in allen anderen Fächern herrschte provinzielle Beschränktheit.
So war denn die Erscheinung der drei jungen, mit einigem Aufwand lebenden ungarischen Adeligen in Basel sehr bemerkenswert. Ihre Professoren ehrten sie durch engen persönlichen Verkehr, und die Universität bedachte sie mehrfach mit hohen, vielen als unangemessen erscheinenden Ehren. So gingen die drei ungarischen Grafen, die alle noch Studenten waren, bei den Festlichkeiten zum Universitätsjubiläum 1760 im Festzug direkt hinter dem Rektor und Oberstzunftmeister, noch vor den Professoren.
Sie empfanden durchaus die damit verbundene «grosse Ehre», doch die ihnen zu diesem Anlass geschenkten Gedenkmünzen (jeweils zwei grössere und zwei kleinere) waren nach Urteil des Samuel Teleki «schön, aber für eine so reiche Republik zu klein».
Die verschiedenen Aufmerksamkeiten ihnen gegenüber scheinen sich gelohnt zu haben. Denn nachdem die drei Ungarn Basel wieder verlassen hatten, war noch einige Jahre lang ein Anstieg in der Zahl von ungarischen Studenten wahrnehmbar.

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