Spuckkasten
Spuckkasten - 1

Spuckkasten

Mitte 19. Jh.
Inv. 2015.251.

Bildauflösung:
2362px x 4001px

CHF 40.00

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Geometrische Einlegearbeiten aus verschiedenfarbigen Obstbaumhölzern schmücken die Oberflächen dieses niedrigen Kastens. Es erscheint schwer vorstellbar, dass ein so aufwendig gestalteter Gegenstand als Spuckkasten gedient haben soll. Doch die Funktionsweise lässt keinen Zweifel: Drückt man auf den Knauf des hochstehenden Stabes, öffnet sich der Klappdeckel des Kastens. Im jetzt leeren Inneren stand ursprünglich wohl eine mit Sand gefüllte Metallkiste. Spuckkästen dieser Art standen in der Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen privaten und öffentlichen Räumen. Der Öffnungs- und Schliessmechanismus brachte den Vorteil, dass der Kasten nur bei Benutzung geöffnet wurde und der unappetitliche Inhalt des Kastens sonst den Blicken verborgen blieb.
Schon im 18. Jahrhundert hatte man kleine, krugförmige Spucknäpfe benutzt, die meist aus Porzellan und Fayence bestanden und oben einen breiten, nach innen abfallenden Rand besassen. Besonders beim Genuss von Kautabakwurden sie verwendet. Im Vergleich zum zuvor üblich Ausspucken auf den Boden stellte die Einführung von Spucknäpfen einen zivilisatorischen Fortschritt dar. Als hochwertige Gefässe konnten sie auch in den Wohnstuben oder gar auf dem Tisch stehen, man nahm keinen Anstoss daran. Auch eine so bedeutende Manufaktur wie Meissen hatte kunstvoll bemalte Exemplare im Angebot. Im 19. Jahrhundert standen die nun grösseren Spucknäpfe meist auf dem Boden; sie waren Urnen oder Vasen nachgebildet und fügten sich unauffällig der Einrichtung ein. Doch schon bald wandelte sich die Einstellung zum Spucknapf wieder. Mit dem Wandel von Etikette- und Hygienevorstellungen, nicht zuletzt durch die Erfahrungen mit der Ansteckungsgefahr bei Tuberkolose und der Spanischen Grippe, verlor sich das Aufstellen von Spucknäpfen und –becken in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Europa fast völlig.

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