Spottbild auf die Fremden Kriegsdienste der Eidgenossen

Spottbild auf die Fremden Kriegsdienste der Eidgenossen

Peter Vischer-Sarasin, Basel, 1792
Radierung, koloriert
H. 28,3 cm, B. 21,5 cm
Inv. 1890.27.

Bildauflösung:
2982px x 3780px

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Die Kritik am eidgenössischen Solddienst ist beinahe so alt wie die Fremden Dienste selbst. Bereits die schweren Niederlagen in den Schlachten von Marignano (1515), Bicocca (1522), Sesia (1523) und Pavia (1525) während der Mailänderkriege lösten eine erste, namentlich reformatorische Empörung aus. Beanstandet wurden die Verrohung der Sitten, die wirtschaftlichen Folgen der Abwanderung junger Männer und die Pensionensucht der Soldunternehmer. Diese Diskussion sollte bis zur Abschaffung der Fremden Dienste im Jahr 1859 nicht mehr abreissen.
Ausgefochten wurde der Disput u. a. in Karikaturen wie derjenigen des Baslers Peter Vischer-Sarasin (1751–1823; Kat. 119) aus dem Jahr 1792. Als er das Spottbild zeichnete, hatte der Schwager von Peter Ochs (Kat. 118) verschiedene wichtige Ämter inne, hegte Sympathien für die Revolution und war fest von der Wichtigkeit der eidgenössischen Neutralität überzeugt. Zwei Ereignisse bewegten ihn zur Karikatur: Einerseits die Meuterei des in französischen Diensten stehenden Regiments Châteauvieux im Jahr 1790, dem auch zwei Basler Kompanien angehörten (Kat. 80); andererseits die Entlassung sämtlicher Schweizerregimenter nach dem Widerstand der Schweizergarde im Tuileriensturm (1792).
Kompositorisch übernahm Vischer-Sarasin für das Hauptbild eine allegorische Zeichnung aus Andreas Ryffs (Kat. 115) «Zirkel der Eidgenossenschaft» von 1597, fügte aber unten zwei kleine Szenen hinzu. Das Hauptbild zeigt einen eidgenössischen Werbeoffi zier mit Halbarte und geschlitztem Reisläufergewand, der vom Papst (mit Tiara) und anderen kirchlichen Würdenträgern sowie vom französischen König (mit Lilienbanner auf Tasche und Baselstab auf Schild), vom Dogen von Venedig (vor zweiter Halbarte), vom Kaiser (davor) und vom König von Spanien (in Blau) hofi ert wird. Ein Sack mit Goldstücken neben dem Werbeoffi zier verweist auf den erlangten Reichtum, während die Ketten, in denen er liegt, die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der Söldner illustrieren – die typische Ambivalenz der Fremden Dienste. Am oberen Bildrand fi ndet sich neben einem weiteren Baselstab eine Kartusche mit der Inschrift: «O Eignoschafft durch Penseyon / Wirst um dein alt Lob wider Kohn / must Fürsten, Herren gfangen seyn / Was Rümst dich nuhr der Fryheit dein.» Mit dem Datum «Anno 1592» schlägt der Zeichner eine Brücke von der Vergangenheit zu seiner eigenen Gegenwart, die im Sockel behandelt wird. Unter Rückgriff auf die aktuellen Ereignisse karikiert er den «Retour des Suisses en 1792» und «Leur Entrée à Basle» und verspottet – in Reminiszenz an die von ihm selbst gesammelten Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts – in bewusst derb gehaltenem Stil die verloren gegangene Herrlichkeit der Schweizer Söldner, um in der zentralen Kartusche lakonisch zu resümieren: «Die Zeit bringt Änderung in 200 Jahren».

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