«Spiegel-Bilder für das zarte Kinderalter»

«Spiegel-Bilder für das zarte Kinderalter»

Weimar, Verlag Wilhelm Hoffmann
1854 (2. Auflage)
Inv. 1968.102.

«Struwwelpeter oder lustige
Geschichten und drollige Bilder»
Dr. Heinrich Hoffmann
(Text und Illustrationen)
Frankfurt am Main,
Verlag Rütten & Loening
um 1900
(Erstaufl age 1845)
Inv. 1974.346.

«Bastian der Faulpelz»
Dr. Heinrich Hoffmann
(Text und Illustrationen)
Frankfurt am Main,
Verlag Rütten & Loening
um 1900
(Erstaufl age 1854)
Inv. 1999.116.

Kikeriki! Und andere neue
Struwelpeter-Geschichten
F. Lipps (Illustrationen)
Stuttgart, Verlag G. Weise, um 1900/10
Inv. 1980.160.

«Der kleine Peter und anderes»
A. Cornelius (Text),
Wilhelm Schäfer (Illustrationen)
Wesel, Verlag W. Düms, um 1900
Inv. 1980.152.

«Das Schreiliesel, eine lustige und
lehrreiche Geschichte für Kinder»
Dr. Ernst (Text), München
Verlag Braun & Schneider
um 1890/1900 (Erstaufl age 1864)
Inv. 1972.6.

Bildauflösung:
3387px x 4038px

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Erziehung durch Abschreckung
Das Bekanntmachen mit den gesellschaftlichen Verhaltensregeln erfolgte in erster Linie durch Ermahnungen der Eltern und anderer Familienmitglieder, unterstützt von moralisierenden Erzählungen und – seit der Mitte des 19. Jahrhunderts – von Bilderbüchern. Das wohl bekannteste als Erziehungsmittel eingesetzte Bilderbuch ist die 1845 erstmals publizierte Geschichtensammlung «Der Struwwelpeter» des Frankfurter Arztes Dr. Heinrich Hoffmann. Mit diesen Verserzählungen, in denen u.a. ein Kind aus Trotz verhungert, ein mit dem Feuer spielendes Kind verbrennt und ein Daumenlutscher seine beiden Daumen verliert, wird den Kindern drastisch vor Augen geführt, welche Gefahren drohen, wenn sie ihren Launen folgen und sich nicht an die Verbote der Erwachsenen halten. Leicht verständliche Reime und suggestive Illustrationen führten dazu, dass die meisten Kinder sich von diesen übersteigerten Geschichten fasziniert zeigten. Der verlegerische Erfolg war sensationell, und das Buch erfuhr viele Hundert Auflagen und weite Verbreitung.

Der «Struwwelpeter» steht nicht allein. Zahlreiche andere illustrierte Kinderbücher folgen dem gleichen Schema, und ihre kleinen Anti-Helden – heissen sie nun «Schnatterkäthchen», «Das eitele Gustchen», «Schmutz-Lieschen», «Vielfrässchen», «Zündelpeter» oder «Hänschen Hampelmann» – geraten durch ihre Unarten in Probleme und Bedrängnisse. Spiel mit dem Feuer, Neugier, Eigensinn, Naschsucht und Fressgier, Spottlust, Trotz, Unbeherrschtheit, Wildheit, Tierquälerei und Gewalt gegen andere Kinder gehören zu den angeprangerten Verhaltensweisen.

Die meisten der Geschichten führen so unerbittlich wie im «Struwwelpeter » zu Unglück und Schande und dienen damit der reinen Abschreckung.

Nur in einigen wenigen Erzählungen bringen die schmerzhaften Erfahrungen die Kinder zur Einsicht und gewandeltem Verhalten. Der realistischere Stil in der Struwwelpeter-Nachfolge reduziert die Erzählungen auf den engen autoritär- erzieherischen Aspekt; der moritatenhafte, grotesk überzeichnete Charakter des Struwwelpeter und damit auch seine Faszination und Wirkung blieben den Nachfolgern fremd.

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