Serie von Darstellungen französischer Magistratspersonen der Zeit des Direktoriums
Malerei und Grafik

Serie von Darstellungen französischer Magistratspersonen der Zeit des Direktoriums

Paris, 1795
Kupferstecher: Labrousse
Vorlage: Jacques Grasset de Saint-Sauveur
(1757-1810)
Kupferstich auf Papier, koloriert
H. 16,8 cm, B. 11,7 cm
Inv. 2009.629.

Bildauflösung:
4227px x 3455px

CHF 40.00

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Die Serie von 15 Blättern zeigt die Amtstrachten französischer Volksvertreter und Staatsbeamter aus der Zeit des Direktoriums. Dieses beendete 1795 die Jahre der Schreckensherrschaft, in die die junge Republik nach der Französischen Revolution abgeglitten war, mit einer neuen Verfassung. Nach einem Dekret des Innenministers vom 25. Oktober 1795 erstellten verschiedene Künstler Entwürfe für Amtstrachten, die schliesslich von Jacques Grasset de Saint-Sauveur verbindlich festgesetzt und in dieser Kupferstichfolge publiziert wurden. Im Begleittext zu einer anderen Ausgabe gibt Grasset Auskunft über die Intention der Serie: «den Augen einen angenehmen Anblick, und dem Herzen einen nützlichen Eindruck zu verschaffen». Der Bürger sollte also die neue Staatsverfassung mit Hilfe ihres äusseren Erscheinungsbildes verinnerlichen. Anknüpfend an die antiken Demokratien griff die neue Staatstracht in Form von Mänteln, langen Roben und kurzen Tuniken explizit die Kleidung der alten Griechen und Römer auf. Darüber hinaus trugen verschiedene Regierungsmitglieder Kurzmäntel, die an die Zeit Heinrichs IV. erinnerten, oder den Frackanzug, der schon vor der Revolution verbreitet war und nun mit Schärpe und Hut kombiniert wurde. Verschiedene solcher Charakteristika zeigten vor Grasset bereits die nicht realisierten Kleidungs-entwürfe des Revolutionsmalers Jacques-Louis David.

Wo eine neue Kleidungsverordnung mit so viel künstlerischem und propagandistischem Aufwand durchgesetzt werden sollte, zog sie unweigerlich Spott auf sich. Zudem stellten sich die langen Gewänder, die tatsächlich für kurze Zeit getragen wurden, als sehr unpraktikabel heraus. Um die Staatstracht mehr der zeitgenössischen Mode anzupassen, wurde bereits am 19. November 1797 eine neue Kostümverordnung eingeführt. Und wiederum zwei Jahre später, am 9./10. November 1799, ging die Zeit des Direktoriums mit dem Staatsstreich Napoleons in der Orangerie des Schlosses von Saint-Cloud zu Ende. Dies war ebenjener Ort, der auf dem Titelblatt der Serie noch als Versammlungsstätte des Rates der 500 erscheint.

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