Reisetagebuch

Reisetagebuch

Daniel Burckhardt-Wildt, 1788
Schwarzbraune Tinte auf Papier
H. 16,5 cm
Inv. 1986.6.

Bildauflösung:
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CHF 40.00

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Zehn Tage dauerte die Reise des 36-jährigen Basler Bandfabrikanten, Kunstsammlers und Malerdilettanten Daniel Burckhardt-Wildt (1752–1819), die in diesem Büchlein dokumentiert ist. Der Titel gibt zugleich den Verlauf der Reise an: «Voyage de Basle par l’Eveché de Basle à La Chaux de fond, Locle, Neuchatel, Berne & Soleure.
Parti le 17. Septembre 1788, et revenu le 26.me & Hindelbanck ». Das kleine Heft im Oktavformat ist dicht gefüllt mit handschriftlichen Eintragungen auf Französisch, die Daniel Burckhardt-Wildt – nach ihrer Anordnung zu urteilen – direkt während der Reise vornahm. Die Orte, die er auf der Route passierte, sind aufgelistet, und er notierte seine Einschätzungen der besuchten Gasthäuser, wie etwa: «Berne / à la Couronne / Mauvais manger, lits aussi malpropres mais pris raisonable». Er führte genau Buch über seine Ausgaben, die für Übernachtungen, Speisen, Eintrittsgelder und Entlohnungen für Dienstleistungen nötig wurden. Die höchsten Ausgaben fi elen in La Chaux-de- Fonds an, wo er mehrfach mehrere Personen im Gasthof bewirtete; der Besuch von Florian Veron, den er im Heft auch porträtierte, scheint eines der Ziele seiner Reise gewesen zu sein. Daniel Burckhardt-Wildt verzeichnete seine Besichtigungen, die von den klassischen Sehenswürdigkeiten über Bibliotheken und Sammlungskabinette bis zu Uhrenfabriken reichten. Einige seiner Eindrücke hielt er auch in Zeichnungen fest, die dem Heft eingeklebt wurden: Landschaften und Landleute, das mittelalterliche Grabmonument in der Kirche von Neuchâtel, den Zeitglockenturm in Bern und anderes mehr. Wie so viele seiner Zeitgenossen besuchte er das Grabmal der Maria Magdalena Langhans in der Kirche von Hindelbank (BE), das der ursprünglich aus Berlin stammende Bildhauer Johann August Nahl d. Ä. 1751 für die im Kindbett verstorbene Pfarrersfrau und ihr ebenfalls verstorbenes Kindlein angefertigt hatte. Es war durch zahlreiche Miniaturwiederholungen und Stiche (u. a. auch von Christian von Mechel in Basel; Kat. 40) in ganz Europa sehr berühmt geworden, wurde geradezu schwärmerisch rezipiert und befand sich auf der Reiseroute fast aller kunstinteressierten Schweizreisenden.
Ein weiterer Grund für die hohen Besucherzahlen war etwas prosaischer Natur: In Hindelbank war eine Poststation.
Während des Aufenthaltes dort war der Besuch der Kirche fast der einzig mögliche Zeitvertreib.

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