Reisepass des Kantons Basel-Stadt aus dem Jahre 1838 für Johann Heinrich Linder von Basel
Reisepass des Kantons Basel-Stadt aus dem Jahre 1838 für Johann Heinrich Linder von Basel - 1
Staat und Recht

Reisepass des Kantons Basel-Stadt aus dem Jahre 1838 für Johann Heinrich Linder von Basel

Basel, 3. Mai 1838
Papier, Buchdruck, Tinte
H. 39,6 cm, L. 25,6 cm
Inv. 2007.330.

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CHF 40.00

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Die Personenbeschreibung im Reisepass - 1838 noch ohne Passfoto - für Johann Heinrich Linder, Tuch-scherer, 34 Jahre alt, Bürger von Basel, war so allgemein abgefasst, dass der Pass leicht auch von einer anderen Person hätte benutzt werden können. Linder hatte «schwarze» Haare, «dunkle» Augenbrauen, eine «gewöhnliche» Stirn und «grüne» Augen. Nase und Mund waren «mittelmässig», sein Kinn war «rund», der Bart «bräunlich» und das Gesicht «rund». Besondere Kennzeichen hatte Linder keine aufzuweisen. Genau, weil messbar, waren nur die Angaben zur Körpergrösse. Linder war 5 Fuss, 6 Zoll und 8 Linien gross. Ein klein gedruckter Zusatz präzisierte, dass 1 Schweizerfuss 10 Zoll, der Zoll 10 Linien hatte und dass der Schweizerfuss zu 3/10 des französischen Meters oder 924/1000 des Pariserfusses gerechnet wurde. Linder war also rund 1,7 Meter gross. Welcher Zollbeamte nahm sich wohl die Mühe der Umrechnung? Noch andere Eigentümlichkeiten fallen an diesem Reisepass auf. Der Pass wurde nicht vom Bund, sondern vom «Kanton Basel-Stadttheil» ausgestellt. In der Schweiz war das Passwesen bis ins 20. Jahrhundert Angelegenheit der Kantone. Eine eidgenössische Passordnung wurde erst 1928 erlassen. Weiter fällt die kurze Gültigkeitsdauer von nur 6 Monaten auf. Und als dritte Besonderheit ist die Angabe des Reisegrundes und des Reisezieles zu bezeichnen. Tuchscherer Linder sei «willens durch die Königreiche Würtemberg und Bayern nach den österreichischen Staaten und nach Ungarn zu reisen, um Waaren einzukaufen, seinerzeit aber wieder hieher zurückzukehren.» Spannend ist auch die Rückseite. Sie ist mit fünfzehn Behördestempeln und handschriftlichen Vermerken versehen, die erlauben, Linders Einkaufsreise örtlich und zeitlich genau zu verfolgen. Am 5. Mai 1838 meldete er sich in Basel ab. Über Lindau (7. Mai) und Augsburg (9.Mai) traf er am 11. Mai in der bayerischen Hauptstadt München ein. Dort meldete er sich nicht nur bei der bayerischen Polizeidirektion und beim königlich-bayerischen Staatsministerium des Hauses und des Äussern, sondern auch bei der kaiserlich-königlichen österreichischen Gesandtschaft.

Von München reiste er über Passau (19. Mai) und Linz nach Wien (22. Mai). Nach einem längern Aufenthalt in der Kaiserstadt führte die Reise nach Pest (12. Juni), zurück über Wien (22. Juni), Passau (26. Juni), Nürnberg (29. Juni) nach Ulm (2. Juli); dort gab er als nächstes Reiseziel Basel an.

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