Porträtbüste des Johann Ludwig Burckhardt, genannt «Scheich Ibrahim»

Ferdinand Schlöth, Rom, 1857
Gips, gefasst
H. 84 cm, B. 56 cm, T. 36 cm
Inv. 1947.108. Geschenk Hans A. Burckhardt

Geboren in Lausanne, aufgewachsen in Basel, erzogen in Neuchâtel, zum Studium in Leipzig und Göttingen, zur Vorbereitung auf geplante Forschungsreisen einige Jahre in London und Cambridge: So bewegt stellt sich bereits die Jugend von Johann Ludwig Burckhardt (1784–1817) dar, der als Sohn des wohlhabenden Basler Seidenbandfabrikanten Johann Rudolf Burckhardt (1750–1813) eine sorgfältige Ausbildung genoss. Ursprünglich zum diplomatischen Dienst vorgesehen, änderte er wegen der schlechten Stellensituation in London seine Pläne und liess sich von der «Association for Promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa» nach Syrien senden. Unter dem Namen «Scheich Ibrahim» schlüpfte er in die Rolle eines Kaufmanns, Apothekers, Priesters oder Pilgers und unternahm ausgedehnte Forschungsreisen im Orient. Als einer der ersten Europäer reiste er nach Mekka und Medina, beschrieb die Felsenstadt Petra im heutigen Jordanien und die Statuen des grossen Tempels von Abu Simbel. Sein eigentliches Ziel, die Erkundung des Karawanenwegs von Kairo nach Timbuktu, konnte er durch widrige Umstände und seinen frühen Tod nicht erreichen.
Ungefähr vier Jahrzehnte nach seinem Tod 1817 in Kairo stiftete der damalige Bürgermeister Johann Jakob Burckhardt-Ryhiner (1809–1888) eine Marmorbüste des Forschungsreisenden zur Aufstellung in der Aula der hiesigen Universität. Den Auftrag erteilte er dem Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891), der damals in Rom lebte. Nach der Fertigstellung der Marmorbüste, die Johann Ludwig Burckhardt barhäuptig und in Anlehnung an römische Kaiserporträts zeigt, schuf er noch im selben Jahr 1857 eine zweite Version in Gips. Sie zeigt den Forscher – so wie er im Orient zu reisen pflegte – in orientalischem Gewand mit Turban. Sein Name ist am Sockel mit «SHEIKH IBRAHIM» bezeichnet. In ähnlicher Form war Burckhardts Bildnis in seinen Reiseberichten erschienen.

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