Porträt des Peter Ochs

Porträt des Peter Ochs

Johann August Nahl d. J., Basel, 1791 datiert
Bleistift und Feder, laviert
H. 48 cm, B. 36,6 cm
Inv. 1974.393.
Depositum Staatsarchiv Basel-Stadt.

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Peter Ochs (1752–1821) zählt zu den bedeutendsten Diplomaten Basels. Geboren als Sohn eines Basler Kaufmanns und einer Französin, wuchs er in Nantes und Hamburg auf und kam erst mit 17 Jahren in die Rheinstadt.
Schon in jungen Jahren verschrieb er sich den Idealen der Aufklärung und träumte von der Abschaffung der Ständeordnung zugunsten der Gleichheit aller Menschen. Mehrere Reisen führten ihn durch die Alte Eidgenossenschaft, nach Hamburg, Strassburg, Paris und in die Niederlande. Er studierte Recht, heiratete die Bürgertochter Salome Vischer (Kat. 105) und wurde Gerichtsschreiber. Die Eignung des weltoffenen und mehrsprachigen Juristen für die Diplomatie zeigte sich, als er 1780 als Abgesandter Basels an der Tagsatzung teilnahm. Der Aufstieg in höhere Ämter wurde begleitet von weiteren diplomatischen Missionen für die Vaterstadt. Während der Französischen Revolution spielte Ochs eine zentrale Rolle in der eidgenössischen Diplomatie.
Mehrfach reiste er nach Paris und stand ein für die Neutralität der Eidgenossenschaft. Sein Meisterstück lieferte er jedoch ab, als er 1795 den Basler Frieden zwischen Frankreich und seinen Kriegsgegnern Preussen, Spanien und Hessen-Kassel vermittelte, wobei derjenige zwischen Frankreich und Spanien in seinem Haus, dem Holsteinerhof, unterzeichnet wurde.
Die massgeblich von ihm geförderte Helvetische Republik war sein diplomatischer Höhepunkt und Untergang zugleich. Auf Drängen Frankreichs, das die in einem losen Bündnis vereinte, föderale Alte Eidgenossenschaft durch einen Zentralstaat nach französischem Vorbild ersetzt sehen wollte, arbeitete Ochs eine liberale, die Untertanen gleichberechtigende Verfassung aus. Mithilfe Gleichgesinnter erreichte er 1798 die Revolutionierung zuerst Basels, dann der ganzen Eidgenossenschaft sowie ihre Ablösung durch ein zentralistisches Staatssystem. Der Zerfall der im Inneren zerrütteten Helvetischen Republik bereits wenige Jahre später zerstörte auch den Ruf ihres Vordenkers und Direktors Peter Ochs. Als Gescheiterter kehrte er nach Basel zurück und war fortan massiven Anfeindungen ausgesetzt. Erst als sich die Wogen geglättet hatten, wurde Ochs – in deutlich bescheidenerem Rahmen – politisch wieder aktiv.
Das Porträt zeigt den Stadtschreiber Ochs in häuslicher Kleidung an einem Tisch sitzend. Es entstand 1791 vor dem Hintergrund einer diplomatischen Entsendung nach Paris, in Rahmen derer er die Anerkennung alter Basler Obligationen erwirken sollte. Die drei im Regal stehenden Bücher mit dem Titel «HIST: DE BÂLE» spie len auf die von ihm selbst verfasste Basler Geschichte an (Kat. 120). Ein aus einer Schublade hängender Zettel mit der Aufschrift «Egalitè et Libertè» (sic!) verweist ebenso auf seine aufklärerischen Ideale wie die Büste Benjamin Franklins, den Ochs verehrte und den er 1784 in Paris kennengelernt hatte. Der Maler des Bildes, Johann August Nahl d. J. (1752–1825), hatte wie Ochs ein umtriebiges Leben: Als Sohn eines Berliners in Ostermundigen bei Bern geboren, hatte er in Kassel, Strassburg und Bern die Malerei erlernt, bevor er ab 1773 Stationen wie Paris, Rom, Neapel und London ansteuerte. In den Jahren 1791 bis 1793 verbrachte er längere Zeit in Basel und verkehrte häufi g mit Peter Ochs. Dessen Porträt gehört zu einer ganzen Reihe von Bildnissen, die Nahl von Mitgliedern der Familie Ochs angefertigt hat (Inv. 1974.392.– 1974.399.).

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